Türkei spricht von "Verrat" der USA, NATO will sich nicht einmischen

Passant mit Regenschirm vor einer Anzeigetafel der Börse in Tokio. Quelle dpa

Als Reaktion auf Sanktionen und Strafzölle der USA gegen die Türkei hat Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan einen Boykott elektronischer Produkte aus den USA angekündigt. Die Türken sollten nun um Hilfe beim IWF nachsuchen. Erdoğans Verbündete dürften sich mitsamt ihren Devisenkonten schneller in die Büsche schlagen, als der Sultan einmal "Verschwörung" und "Wirtschaftskrieg" sagen kann. Wenn die USA die Souveränität der Türkei nicht respektierten, könne die Partnerschaft in Gefahr geraten. "Wenn sie das iPhone haben, gibt es anderswo Samsung".

Der türkische Präsident warf dem NATO-Partner USA indes vor, seinem Land in den Rücken zu fallen und spricht vom "Verrat des strategischem Partners". Aber tatsächlich währt der Verfall der Türkischen Lira (TL) bereits seit fünf Jahren. Am Freitag hatte Präsident Donald Trump die Verdoppelung von Strafzöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der Türkei verkündet.

Sieben Reden hat Präsident Erdoğan zwischen Freitagmorgen und Montagnachmittag gehalten und in jeder wurde der Ton gegen die USA schärfer. Fernsehbilder zeigten ein Meer versteinerter Gesichter. So kündigte der Chef der Yildiz-Holding - einer der grössten Lebensmittelhersteller der Region - am Wochenende bereits Immobilienverkäufe in Höhe von zwei Milliarden Dollar an. Ankara wiederum verlangt bisher vergeblich die Auslieferung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen, den Erdogan für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht. Grund war das Inkrafttreten neuer Strafzölle der USA gegen die Türkei.

Seit Jahresbeginn hat die türkische Lira fast 40 Prozent an Wert verloren. Am Dienstag zog die türkische Lira wieder etwas an und sorgte auch für steigende Kurse an der Istanbuler Börse. Gespräche hochrangiger Regierungsvertreter beider Seiten brachten bislang keinen Durchbruch. "Die Europäer sollten diesen Weg unterstützen". Er will, dass die Banken billige Kredite vergeben und so das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Der Präsident liegt damit seit Jahren diametral entgegengesetzt zur gängigen Wirtschaftslehre, wonach Zinserhöhungen die Währung stärken und die Inflation bekämpfen.

► Ilter Turan, Professor für internationale Beziehungen an der Bilgi-Universität in Istanbul, verweist auf Erdoğans Weltsicht. Und der gemeinnützige Verein AHID sammelte am vergangenen Wochenende unter seinen Mitgliedern 65 Goldketten, 195 Goldmünzen, 2500 Dollar und 3000 Euro zum Umtausch in Lira.

Erdogan selbst folgt seinen üblichen, autoritären Reflexen: Er forderte seine Bürger auf, Dollar in Lira umzutauschen und warnte Unternehmen davor, Insolvenz anzumelden, statt strukturelle Reformen anzupacken. Erdogan vermochte die Europäischen Regierungen zu erpressen und einzuschüchtern, aber vor den Gesetzmäßigkeiten der Kapitalmärkte muss er wohl kapitulieren. Das Studium seiner Töchter in den USA wurde von einem wohlhabenden Unternehmer bezahlt.

Zwar ist Erdogan nach seinem Sieg bei den Präsidentschaftswahlen im Juni so mächtig wie nie zuvor. Das Land ist tief gespalten. Solange unklar ist, wie stark sie in der türkischen Wirtschaft engagiert sind, werden sich die Papiere vermutlich nicht nachhaltig erholen können. Die Zwiebelpreise sind dieses Jahr teils um über 200 Prozent gestiegen.

Am Montag gab es erste Anzeichen: Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu und andere Medien berichteten, dass nun Staatsanwälte und Ermittler gegen Menschen vorgingen, die in sozialen Medien "falsche Berichte" und "Spekulationen" über die Lage verbreiteten. Staaten, die Frieden wollten, müssten bereit zu Krieg sein, sagte er. Der prominenteste, der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel, war im Februar freigelassen worden.

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