Autos, Alkohol, Reis:Türkei verhängt Strafzölle gegen USA

Lassen den Streit zwischen ihren Ländern eskalieren Präsidenten Erdogan und Trump

In der Nacht waren die drastischen Strafzölle auf türkische Metallimporte in die USA in Kraft getreten, die US-Präsident Donald Trump am Freitag per Twitter angekündigt hatte. Ausgelöst wurde die Krise unter anderem von Bedenken wegen der Wirtschaftspolitik der türkischen Regierung sowie dem Streit mit Washington um einen in der Türkei festgehaltenen evangelikalen US-Pfarrer. Erdogan müsse seine Politik ändern und etwa alle zu Unrecht Inhaftierten freilassen. Der türkische Präsident warf den USA darin Unilateralismus und Respektlosigkeit vor. Für die türkische Wirtschaft ist dies eine Katastrophe, zumal sich der Außenwert der Währung gegenüber dem Dollar innerhalb von nur einem Jahr geradezu halbiert hat. Dieses Defizit entsteht, wenn mehr Güter importiert als exportiert werden. Diese müsste aus ihrer Sicht verknüpft werden mit der Botschaft, dass die Notenbank unabhängig handle und ihre Schlüsselsätze noch für lange Zeit auf hohem Niveau belassen werde.

"Wenn sie (die USA) iPhones haben, dann haben wir Samsung". Anlass für diese Aussage war ein Tweet des US-Präsidenten am Freitag.

Momentan sieht es danach aus, als ob Erdogan den direkten Konflikt mit den USA sucht. Kritiker meinen, Erdogan wolle nun den US-Pastor als Faustpfand instrumentalisieren, um die USA zur Auslieferung Gülens zu bewegen. Am Montag kosteten Versicherungen für fünfjährige Staatsanleihen so viel wie seit der Wirtschaftskrise 2009 in dem Land nicht mehr. Er sprach von einem "Wirtschaftskrieg" und erhob den Westen zum Feindbild. Mit den Strafzöllen hatte Trump bewusst die Währungskrise der Türkei angeheizt. So hat Erdogan Märkte und Investoren nachhaltig verschreckt, indem er offen die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank infrage gestellt hat. "Sie ziehen einen Pastor einem strategischen Nato-Partner vor". Dass er ihn vollzieht, ist jedoch unwahrscheinlich.

"Die Türkei mit ihrer überhitzten und künstlich kreditfinanzierten Wirtschaft müsste eigentlich eine Anpassungsrezession durchmachen", sagt der Wiener Ökonom Deuber. Er könne sich eine stärkere Hinwendung der Türkei zu Russland, China und der Ukraine vorstellen.

Die Eskalation des Krachs mit den USA kommt Erdoğan sogar gelegen.

Seither versucht Erdogan, Trump die Verantwortung für die Krise zuzuschieben.

Ein Helfer in der Krise kann die Europäische Union sein.

Noch im vergangenen Jahr war das deutsch-türkische Verhältnis unter anderem wegen der Inhaftierung mehrerer Deutscher in der Türkei zerrüttet gewesen. Zugleich geht seine Regierung laut Nachrichtenagentur Anadolu seit dem Wochenende gegen fast 350 Einzelpersonen und Institutionen vor, denen man vorwirft, in sozialen Medien "falsche Berichte oder Spekulationen über den Zustand öffentlicher Unternehmen oder Banken" verbreitet zu haben. Erdogan könnte daraus eine Tugend machen - und die EU auffordern, zu helfen.

Eine positive wirtschaftliche Entwicklung, steigende Einkommen und Renten waren das Fundament für Erdogans politische Erfolge. Auch Schulden von Banken in ausländischen Währungen steigen. Ein gleichzeitiges Hochschrauben des Tourismus könnte dem Leistungsbilanzdefizit zusätzlich entgegensteuern.

"Das reicht nicht", sagte der Chefvolkswirt und Türkei-Experte Gunter Deuber von der Raiffeisen Bank International in Wien.

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