Verfall der Lira: Türkische Notenbank erhöht Zinsen

Türkische Lira. Die Entscheidung der Notenbank soll den Kurs stabilisieren – Kredite werden zugleich teurer

Es ist dies ihr höchster Stand seit sie Ende August die Marke von 6 Lira überschritt. Investoren hatten sich um die Unabhängigkeit der türkischen Notenbank gesorgt, die sich aber nun deutlich gegen die Forderung Erdogans stellte.

Die türkische Lira wertete daraufhin deutlich um mehr als 3 Prozent bis auf 6,11 Lira für den Dollar auf. Kurz vor der mit Spannung erwarteten Sitzung der Notenbank hatte Erdogan die Währungshüter zu einer weiteren Zinssenkung gedrängt und die Zentralbank kritisiert. Das hatte im Vorfeld noch eine Abwertung der Lira ausgelöst, weil Anleger befürchteten, die Notenbank werde klein beigeben.

"Bis heute habe ich nicht einmal gesehen, dass sich die Vorhersage der Zentralbank zur Inflation bewahrheitet hat", hatte Erdogan bei einer Rede in Ankara gesagt. Er betonte, Zinsen seien generell die Ursache von Inflation. Wer das Gegenteil glaube, habe "nichts verstanden". Am Donnerstag bezeichnete Erdogan dagegen Zinsen abermals als "Instrument der Ausbeutung".

Die türkische Zentralbank hat ihren Leitzins um 625 Basispunkte auf 24 Prozent angehoben. "Ob dies aber der Befreiungsschlag für die Lira ist, bleibt abzuwarten". Auch mit der Zinserhöhung wird nicht genug ausländisches Geld in die Türkei kommen, um die Schulden insbesondere im Privatsektor weiter bedienen zu können. Die Währungshüter seien jedoch unabhängig und träfen ihre Entscheidungen zu den Zinsen in eigener Regie.

Viele Ökonomen bezweifeln allerdings, dass die türkische Wirtschaft noch vor einem Abrutschen in die Rezession zu retten ist. Der Präsident hatte zudem eingeräumt, dass die Türkei im Vergleich zu anderen Schwellenländern wirtschaftlich zurückgefallen sei.

Nichtsdestoweniger setzt Erdogan faktisch aber auf staatliche Vorgaben und eine starke präsidiale "Handsteuerung". Das würde für die von Rohstoffimporten abhängige und mit 330 Milliarden Dollar hoch im Ausland verschuldete türkische Wirtschaft stark belasten. Die türkische Lira legte nach der Entscheidung deutlich zu. Der am Donnerstag veröffentlichte Erlass legt fest, dass diese Verträge innerhalb von 30 Tagen auf Lira umgestellt werden müssen.

Das Dekret werde völliges Chaos verursachen, sagte Hulusi Belgu, Leiter des türkischen Verbands der Einkaufszentren der Nachrichtenagentur Bloomberg. 70 Prozent der Mietverträge lauteten auf ausländische Währungen. Die hohe Inflation gilt neben dem hohen Leistungsbilanzdefizit als Hauptauslöser für die Lirakrise.

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