Mehr Geld für Chemie-Beschäftigte: Freizeit-Option vertagt

BAVC-Verhandler Georg Müller spricht mit IG-BCE-Verhandler Ralf Sikorski

Bei der Arbeitszeit blieb der große Durchbruch aus.

Das Entgelt für die Beschäftigten steigt um 3,6 Prozent.

Zum Schluss ging es dann doch schnell: Nach zweitägigen Verhandlungen haben sich Chemigewerkschaft IG BCE und die Chemiearbeitgeber am Donnerstag in Wiesbaden auf einen neuen Chemietarif für die 580.000 Beschäftigten der chemischen Industrie geeinigt.

Die Gehälter werden über eine Laufzeit von 15 Monaten um 3,6 Prozent angehoben. Zudem sollen die Qualifizierungsangebote für die Beschäftigten mit Blick auf Digitalisierung und Wandel der Arbeitswelt verbessert werden. In welchem Bundesland sind die Unternehmen besonders spendabel?

Voll durchsetzen konnte sie sich hingegen beim Urlaubsgeld: Es steigt von gut 600 auf 1200 Euro jährlich. Von einer Verdopplung des Urlaubsgelds profitieren die unteren Lohngruppen und die Auszubildenden überdurchschnittlich.

Die Bundesarbeitgeberverband Chemie hat die monetären Forderungen auf sieben Prozent zusammengerechnet. Gewerkschaft und Arbeitgeber einigten sich zudem darauf, bis zur nächsten Tarifrunde Instrumente für mehr Arbeitszeitsouveränität zu schaffen. "Deshalb gab es in dieser Frage für uns keinen Verhandlungsspielraum", so Sikorski. Wie die IG Bergbau, Chemie, Energie mitteilte, liegt das Gesamtvolumen der Einkommensverbesserungen im Durchschnitt bei rund 4,6 Prozent.

Die Chemiebranche ist Deutschlands drittgrößter Industriezweig nach der Automobilindustrie und dem Maschinenbau.

Bei der Forderung nach einer zukunftsorientierten Weiterentwicklung von Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen kamen sich die Tarifparteien nur bedingt näher. "Die Forderung nach einer Verdopplung des Urlaubsgelds hat den Menschen aus dem Herzen gesprochen", meinte IG-BCE-Verhandlungsführer und Tarifvorstand Ralf Sikorski. Dazu soll der Unterstützungsverein der chemischen Industrie (UCI), eine gemeinsame Einrichtung beider Parteien, ein entsprechendes Förderprogramm auflegen.

"Wir haben für die Beschäftigten ein gutes Tarifpaket geschnürt, das ihnen eine faire Teilhabe am Erfolg ihrer Branche sichert", sagte IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis. "Seit Jahren brummt das Geschäft". Die Beschäftigten hätten einen Abschluss verdient, "der ihnen sowohl spürbar mehr Cash bietet als auch die Aussicht auf Entlastung und mehr Freiraum bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit".

BAVC-Verhandlungsführer Georg Müller wertete es als Erfolg, dass die Arbeitgeber bei der aktuellen Einigung keine fixen Zugeständnisse bei der Arbeitszeit machen musste. Die Branche rechnet für 2018 zwar mit einem Produktionsplus von 3,5 Prozent, doch verringere sich das Wachstum. "Mit 15 Monaten Laufzeit und betrieblicher Differenzierung konnten wir die dauerhafte Belastung für die Unternehmen unter die Schmerzgrenze bringen".

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