Bekanntgabe: Medizin-Nobelpreis für 'Meilenstein gegen Krebs'

James Allison und Tasuku Honjo Nobelpreis für Medizin geht an Krebsforscher

Der Amerikaner James Allison und den Japaner Tasuku Honjo erhalten die Auszeichnung für die Entwicklung einer neuartigen Krebstherapie. Die Behandlung lässt sich auf viele Tumorarten anwenden - und sie wird stetig weiter entwickelt.

Wesentlich erfolgreicher war dagegen eine Immuntherapie, die auf den Erkenntnissen des zweiten Nobelpreisträgers beruht.

James Allison musste sich schon früh mit Krebs auseinandersetzen. Er sei bei ihr gewesen, als sie starb, berichtet er. Die Auszeichnung ist mit neun Millionen Schwedischen Kronen (rund 870.000 Euro) dotiert. Diese Therapie durch sogenannte Checkpoint-Inhibitoren habe die Krebsbehandlung "revolutioniert", heißt es in der Begründung aus Stockholm. Womöglich nutzten einige Tumore diesen Signalweg bereits, um sich gezielt vor dem Immunsystem zu schützen.

Sie werden für die Erforschung von Immun-Krebstherapien geehrt, wie die Schwedische Akademie mitteilte.

In den 1990er Jahren untersuchte Allsons Arbeitsgruppe an der University of California in Berkeley ein Protein, das für die T-Zellen typisch ist, genannt CTLA-4.

Eigentlich ist unser Immunsystem bestens dafür gerüstet, nicht nur Eindringlinge, sondern auch kranke körpereigene Zellen zu erkennen und zu beseitigen. Denn die klassischen Therapieansätze Operation, Bestrahlung und Chemo konnten in dieser Situation nicht mehr viel ausrichten. An dieser Regelung sind spezielle Eiweißmoleküle beteiligt: Einige beschleunigen die Immunabwehr, andere wirken als Bremse, die eine Aktivierung der T-Zellen verhindert.

Einen solchen bieten die Arbeiten von Allison und Honjo. Für den Medizin-Nobelpreis steht die Entscheidung fest. Die Tiere entwickelten zudem eine Immunität, die sie vor späteren Transplantationen von Krebstumoren schützte (Science 1996; 271: 1734-6).

Im Jahr 2012 belegten klinische Studien die Wirksamkeit dieser Antikörper bei mehreren verschiedenen Krebsarten. Wie man diese löst, haben James P. Allison und Tasuku Honjo in ihrer Forschungsarbeit gezeigt. Der Erfolg gab ihnen recht: 2010 zeigte eine Klinische Studie eindrucksvolle Ergebnisse bei der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Schwarzen Hautkrebs: Teilweise war das Melanom ganz verschwunden - ein Heilung galt hier zuvor als praktisch ausgeschlossen. In den Jahren darauf wurde auch noch das an PD-1 bindende Protein PD-L1 identifiziert. "Die Immuncheckpoint-Blockade stellte erstmals auf diesem Gebiet einen Durchbruch dar und ist rasch zu einem Behandlungsprinzip - zunächst bei Melanom, dann bei Lungenkrebs, Nierenzellkarzinomen und anderen Krebserkrankungen - geworden", sagte Matthias Preusser, nunmehr Professor für Internistische Onkologie von MedUni Wien/AKH, gegenüber der Austria Presse Agentur. Früher hatten Patienten mit Metastasen meist nur noch wenige Monate Lebenszeit.

Der US-Amerikaner Allison hatte die bremsende Wirkung eines Proteins namens CTLA-4 untersucht, der Japaner Honjo die des Proteins PD-1. Der Forscher hatte damals einen Antikörper entwickelt, der an CTLA-4 bindet und seine Funktion blockiert. Damit kann bei manchen Krebserkrankungen bei etwa 20 Prozent der Behandelten eine langfristige Kontrolle des Leidens erreicht werden. Dabei hat man gelernt, dass die wichtigste Aufgabe des Immunsystems darin besteht, "Eigenes" von "Fremdem" zu unterscheiden. So hatten Ärzte bereits vor 150 Jahren Tumorpatienten mit gefährlichen Bakterien infiziert - in der Hoffnung, die aktivierte Abwehr würde auch die Krebsabwehr stärken. Allison dagegen hatte ein anderes Ziel: Er wollte über dieses Molekül den Krebs besiegen.

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