Gerhard Richter kritisiert Film "Werk ohne Autor"

Legende   Florian Henckel von Donnersmarck gewann mit seinem ersten Langfilm Das Leben der Anderen den Oscar. 
     Walt Disney Studios Schweiz

Nun wird sie gewaltsam in den Krankenwagen gezerrt und schon bald zum Opfer des NS-Euthanasieprogramms.

Mit diesem Film geht Florian Henckel von Donnersmarck ins Oscar-Rennen: "Werk ohne Autor" nimmt das bewegte Leben des Künstlers Gerhard Richter, um ein Stück deutscher Zeitgeschichte zu erzählen. Die grausame Realität dahinter bleibt sichtbar, aber ihre Konturen verschwimmen.

Zum anderen zeigt sie mit dem Blick durch die gespreizte Hand, wie durch den künstlerischen Eingriff die schmerzhaften Wirklichkeitserfahrungen kompensiert werden. Wem die Lebensgeschichte des Künstler Gerhard Richter, dem wohl bekanntesten deutschen Maler der Gegenwart, geläufig ist, dem kommt diese fiktionale Geschichte bekannt vor. Die Werke der Moderne beeindrucken den zehnjährigen Kurt, auch wenn die ideologischen Ausschweifungen des Museumsführers (Lars Eidinger) ihn an seinem Berufswunsch zweifeln lassen.

Damit nicht genug, holt er zu einer Parallelmontage aus, die die Ermordung im KZ mit der Bombardierung Dresdens und dem Tod von Kurts Bruder auf dem Schlachtfeld nebeneinander schneidet.

Donnersmarck hat Höheres im Sinn. Durch die Augen des jungen Helden Kurt (Tom Schilling) durchlebt das Publikum die Zeit des Nationalsozialismus, der DDR und der Bundesrepublik. Aber erst einmal muss das junge Genie auf die Kunsthochschule in der jungen DDR, wo er stolze Arbeiter und Bauern in überlebensgroßen Wandgemälden verewigt. Denn die schöne Modeliebhaberin ist die Tochter des Medizinprofessors Carl Seeband (Sebastian Koch) - ausgerechnet der Mann, der damals die Ermordung von Kurts Tante Elisabeth veranlasst hat. Die Tante prägt den Jungen und bringt ihn zur Malerei. Das Trauma wird in Kunst verwandelt.

Donnersmarcks dritter, sehr abendfüllender Spielfilm kommt fast in jeder Szene mit dem Gestus und der technischen Perfektion eines Meisterwerkes daher, womit die Schlichtheit so mancher Erkenntnis nicht ohne Geschick übermalt wird. Werk ohne Autor läuft seit dem 4. Oktober 2018 in den Schweizer Kinos. "Ich wollte ein eigenständiges Kunstwerk schaffen, und das musste interessanter sein als die Wahrheit".

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