P&R-Gläubiger brauchen nach Milliardenbetrug Geduld - Kritik an Bafin ROUNDUP

P&R-Gläubigerversammlung Nicht alles Geld ist verloren Quelle dpa

Die Containerfirma P&R betrog mutmaßlich Zehntausende Anleger - einer der größten Fälle von Wirtschaftskriminalität in der Bundesrepublik überhaupt. Der Fall zeigt die Gefahren des grauen Kapitalmarkts.

Das Logo der Containerinvestmentfirma P&R Container Vertriebs und Verwaltungs-GmbH ist vor dem Gebäude des Unternehmens zu sehen. Michael Jaffé in jeder Versammlung einstimmig als Insolvenzverwalter bestätigt. Insolvenzverwalter Jaffé peilt die ersten Zahlungen an die Gläubiger für das Jahr 2020 an.

Zur ersten von vier Gläubigerversammlungen von P&R-Firmen in der Olympiahalle kamen gut 2500 Geschädigte, weitere 7700 schickten ihre Anwälte. Allein die Forderungen dieser 10.200 Anleger belaufen sich auf mehr als eine Milliarde Euro.

Die P&R-Pleite könnte mit einem möglichen Schaden von bis zu zwei Milliarden Euro nach dem Flowtex-Skandal der 1990er Jahre der zweitgrößte Betrugsfall seit 1945 sein. Denn von insgesamt sechs P&R Gesellschaften ist eine laut Brunner, nicht im Insolvenzverfahren und hat ihren Sitz in der Schweiz.

Die "Bürgerbewegung Finanzwende" des Grünen-Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick wirft unterdessen der Finanzaufsicht Bafin schwere Versäumnisse vor. Denn dann stehen auch Geschäftsgeheimnisse zur Diskussion, die nicht für Konkurrenten gedacht sind. So hatte etwa die "Stiftung Warentest" im Sommer 2017 ausführlich auf Merkwürdigkeiten hingewiesen. Das Geschäftsmodell: Die Unternehmensgruppe verkaufte ihren Anlegern Schiffscontainer und vermietete sie in ihrem Auftrag weiter.

Betroffen von der Pleite sind fast ausschließlich Privatanleger, darunter viele Rentner und Pensionäre, die ihre Altersvorsorge aufbessern wollten und geprellt wurden. Außerdem bot P&R den Anlegern den Rückkauf nach fünf Jahren an. Doch nach bisherigem Ermittlungsstand war ein Großteil dieses Geschäfts bloßer Schein - eine Milliarden-Luftnummer. Das jahrzehntelang erfolgreiche Unternehmen hatte am Ende rund 1,6 Millionen Schiffscontainer als Kapitalanlage an 54.000 Anleger verkauft, von denen aber eine Million gar nicht existierten. Die Behörde kontrolliert aber ausdrücklich nicht, ob die Angaben richtig sind oder das dahinter stehende Geschäftsmodell tragfähig.

Insolvenzverwalter Jaffé hat derweil andere Sorgen: Das rechtliche Konstrukt der P&R-Gruppe erschwert den Zugriff auf die noch eingehenden Einnahmen. "Die Schweizer P&R-Gesellschaft ist nicht im Insolvenzverfahren, also nicht im direkten Zugriff des deutschen Insolvenzverwalters", sagte Jaffés Sprecher. Zudem sei die Eigenverwertung durch einzelne Anleger mit hohen Verwertungskosten verbunden und faktisch ausgeschlossen.

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