Gericht darf Trompetenspiel nicht zu stark einschränken

Lautes Trompetenspiel wird im Reihenhaus schnell zur Belastung für Nachbarn

Sie verlangten vom Eigentümer, der auch in unmittelbarer Nachbarschaft wohnte und beide Reihenhäuser vermietete, Maßnahmen zu treffen, um dem Lärm Einhalt zu gebieten.

Ein gewisser Lärm ist unvermeidbar und muss von den Nachbarn akzeptiert werden, so zum Beispiel Kinderlärm. Der Berufsmusiker des Staatstheaters Augsburg übt auch zu Hause und gibt dort jede Woche zwei Stunden Unterricht.

Eine Schlichtung hatte kein Ergebnis gebracht. Dann kann die unfreiwillige Teilhabe an der Musik schnell zur Qual werden. Einige Nachbarn würden da wohl eher mit Wilhelm Busch gehen: "Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden". Eine Schallisolierung wäre kaum machbar. Die Richtwerte des Bundesgerichtshof (BGH): Zwei bis drei Stunden an Wochentagen und ein bis zwei Stunden an Sonn- und Feiertagen seien angemessen, wobei Nacht- und Mittagsruhe eingehalten werden müssten.

Entgegen der Entscheidung des Berufungsgerichts darf auch abends und am Wochenende musiziert werden. Besonders auf dem Balkon oder der Terrasse muss es ab 22 Uhr leise zugehen, das gilt auch während großer Sportevents wie der Fußballweltmeisterschaft.

Nach einem BGH-Urteil ist eine Ruhezeit von 20 Uhr bis 8 Uhr und von 12 Uhr bis 14 Uhr in Ordnung. So bleibe genug Zeit zum Musizieren. Eine Seniorenwohnanlage ist anders zu beurteilen als ein Studentenwohnheim.

Auch wichtig: Wie ist die Bausubstanz, wie laut ist die Umgebung, welche Art von Musik wird gespielt?

Andererseits ist Mietern ebenso klar, dass auch die Nachbarn ein Recht haben, Musik zu hören oder zu machen und ihre Kinder spielen zu lassen.

In der Regel gelten zwei bis drei Stunden Musik am Tag als zumutbar. Für andere machten Gerichte aber auch schon sehr strenge Auflagen wie maximal anderthalb Stunden am Tag. Beschränkungen der Lautstärke durch die Hausordnung darf es laut BGH nur bei nicht mehr hinnehmbaren Störungen geben. Dieser kann eine Abmahnung aussprechen, wenn die Musik überhand nimmt.

Welche Möglichkeiten gibt es bei Differenzen zwischen Nachbarn?

An erster Stelle steht das direkte Gespräch. Helfen kann auch ein Schlichter. Gerichte entscheiden meistens zugunsten von Kindern, um Familien zu stärken und ihnen das Leben in einem Mehrfamilienhaus zu ermöglichen.

Dabei hat ein Berufsmusiker, der sein Instrument im häuslichen Bereich spielt, nicht mehr, aber auch nicht weniger Rechte als ein Hobbymusiker und umgekehrt.
Das Landgericht Augsburg soll nun die Zeiten, zu denen im konkreten Fall musiziert werden darf, abschließend festlegen (Urteil vom 26. Oktober 2018 - V ZR 143/17). Aber: "Es gilt natürlich nicht das Alles-oder-nichts-Prinzip".

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