Absprachen bei Bezahldiensten? - Weko ordnet Razzien bei Schweizer Finanzunternehmen an

Absprachen bei Bezahldiensten? - Weko ordnet Razzien bei Schweizer Finanzunternehmen an

Die Wettbewerbskommission der Schweiz "Weko" hat offenbar mehrere in dem Alpenland ansäßige Finanzinstitute im Verdacht, gemeinschaftlich mobile Bezahlsysteme wie Apple Pay und Samsung Pay zu boykottieren. "Kaum ein Kunde hat wegen der fehlenden Apple-Pay-Unterstützung seine Bank gewechselt". Sie hat deswegen eine Razzia bei den Grossbanken Credit Suisse und UBS, der Postfinance sowie der Kreditkartenfirmen Swisscard und Aduno durchgeführt. Es besteht der Verdacht, dass die Schweizer Finanzinstitute sich abgesprochen haben, ihre Kreditkarten nicht für die Benutzung mit Apple Pay und Samsung Pay freizugeben, um die Schweizer Lösung Twint zu bevorzugen. Wegen der tiefen Basis wächst mobiles Bezahlen indes auch in der Schweiz überdurchschnittlich stark. Grund ist die Schweizer Bezahllösung Twint. "Apple Pay ist vielen Kunden schlicht zu wenig wichtig". Warum kommt die Untersuchung gerade jetzt? Weko-Vizedirektor Olivier Schaller sagt dazu: Die Weko habe vergangenes Jahr eine Vorabklärung mit Blick auf Apple eröffnet. Die Weko brauche Anhaltspunkte, dass unzulässige Abreden stattfänden. Auslöser der Untersuchung seien neue Informationen gewesen, die die Weko erhalten habe. Solche Ermittlungen seien sehr anspruchsvoll. Weiter: "Postfinance ist überzeugt, nicht gegen das schweizerische Kartellrecht verstossen zu haben".

Im Juli 2016 war es so weit: Apple Pay startete hierzulande. "Obwohl wir mehrere Alternativen angeboten haben, konnte mit Apple Pay leider keine Einigung zur Zusammenarbeit gefunden werden", schrieb die Grossbank. Die Credit Suisse wiederum erklärte, dass man überzeugt sei, dass sich die Vorwürfe als unbegründet erweisen werden. "Über unsere fünfzigprozentige Tochtergesellschaft Swisscard bieten wir bereits heute Konsumenten in der Schweiz Zugang zu Apple Pay und Samsung Pay", sagte die Grossbank.

Swisscard zeigte sich überrascht, in die Untersuchung einbezogen zu sein.

Bei Swisscard können Kunden die mobilen Zahlungslösungen von Apple Pay (seit November 2016) und von Samsung Pay (seit August 2017) nutzen. Swisscard sei zuversichtlich, dass sich die Vorwürfe als haltlos erweisen würden. Denn auch als die Finanzhäuser 2015 ihre eigenen Lösungen präsentierten - zunächst die UBS, ZKB und der Börsenbetreiber SIX mit Paymit und die Postfinance mit Twint -, drohte bereits der Markteintritt von Apple Pay. Zudem beteiligt sich der französische Zahlungsverkehr-Anbieter Worldline zu 20% an Twint. Laut einer Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug der Hochschule Luzern erreicht das Bezahlen von unterwegs mit monatlich etwa 1,75 Mio. Transaktionen einen Marktanteil von ungefähr 0,5%.

Doch auch mit fusionierten Kräften blieb den Schweizer Banken stets eine entscheidende Funktion verwehrt: Apple verweigerte den Anbietern den Zugriff auf die NFC-Schnittstelle. Twint muss deshalb auf das Einlesen von QR-Codes oder die Bluetooth-Übertragungstechnik ausweichen. Das verlängert den Bezahlvorgang deutlich. Das Verfahren sei vorgeschritten, sagt Vizedirektor Schaller. Ein Entscheid sei aber noch nicht gefallen.

Die Untersuchung wegen des mutmasslichen Boykotts von Apple und Samsung Pay könnte die Weko noch ausweiten.

Gegen Twint hat die Weko zwar keine Vorwürfe erhoben. Boon, die von der deutschen Wirecard betrieben wird, zielt denn auch genau auf diese Kunden von Banken ab, deren Kreditkarten nicht mit Apple Pay kompatibel sind.

Coop hat kürzlich den Wechsel ihres Kreditkartenanbieters von Swisscard zur UBS bekannt gegeben. Andererseits haben Schweizer Unternehmen eine Art Wagenburg um Twint errichtet.

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