Hamburg - NDR erhält gestohlenes Nolde-Bild zurück

NORDDEUTSCHER RUNDFUNK
NDR Intendant Lutz Marmor präsentiert Nolde Gemälde
NDR Intendant Lutz Marmor präsentiert das Gemälde

Die Anwältin habe dann das Werkverzeichnis des NDR durchsucht und fand heraus, dass das Bild tatsächlich 1979 gestohlen wurde. Mit der Zustimmung von Intendanz und Verwaltungsrat erwarb Kühn das Gemälde nach einer erfolgreichen Echtheitsprüfung für einen Finderlohn von 20.000 Euro, um zu verhindern, dass es erneut in dunklen Kanälen verschwindet.

Aus dem Hamburger NDR-Funkhaus gestohlen und jahrzehntelang verschollen: Nach fast 40 Jahren hat der Norddeutsche Rundfunk sein Ölbild "Sonnenblumen" des Expressionisten Emil Nolde (1867-1956) zurückerhalten.

Aus verschlossenen Büros des NDR verschwanden die beiden Kunstwerke an einem Pfingstwochenende, von den Dieben fehlte jede Spur. Auch eine Zivilklage auf Erstattung wäre vermutlich gescheitert, weil der NDR der Berlinerin betrügerische Absicht hätte nachweisen müssen.

Im Mai 2017 meldete sich eine 80-jährige Witwe beim NDR. Sie habe das Gemälde von ihrem Ehemann geerbt. Doch der NDR hofft, dass sich auch der Verbleib dieses Werks eines Tages aufklärt. Der Wert der Exponate dieser Sammlung reicht nicht annähernd an den der "Sonnenblumen" heran, den Sachverständige von Sotheby's auf einen Betrag zwischen 900.000 und 1,2 Millionen Euro taxieren. Der rechtliche Anspruch auf das Gemälde war inzwischen abgelaufen, da das Gemälde länger als zehn Jahre im Besitz der Frau war und sie nichts von dem Diebstahl wusste. Erst kürzlich habe sie herausgefunden, dass das Bild echt sei. Auch über die Gründe, warum der NDR-Mitarbeiter das Gemälde seinem Freund gegeben habe, könne nur spekuliert werden. Und ist diese Geschichte überhaupt wahr? Die Zeitungen titeln, die Kriminalpolizei ermittelt - jedoch ohne Erfolg.

Ein Rätsel ist noch offen: Gleichzeitig mit "Sonnenblumen" verschwand 1979 das Aquarell "Landschaft mit Bauernhaus" von Nolde aus einem NDR-Büro. Die Arbeit ist kleiner und nicht so wertvoll wie "Sonnenblumen". Der Rundfunk sei wie andere öffentliche Institutionen verpflichtet gewesen, auch die bildende Kunst zu unterstützen. Bereits 1950 kaufte Adolf Grimme, der damalige Generaldirektor des NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk), der Vorgänger des NDR, das Gemälde für 10.000 Mark.

Die Verbindung des Senders zu Emil Noldes "Sonnenblumen" ist älter als der NDR selbst. "Mit Noldes "Sonnenblumen" verbindet den NDR eine besondere Geschichte", sagte Marmor. Deshalb fiel uns die Entscheidung leicht: Wir möchten das Bild allen Menschen in Norddeutschland zugänglich machen. Den Anfang macht im Frühjahr 2019 das Sprengel Museum Hannover, 2020 folgt die Kunsthalle Hamburg. "Ein Jahr darauf wird es in der Kunsthalle zu Kiel zu sehen sein, und für 2022 hat das Staatliche Museum Schwerin zugesagt". Der NDR ist der erste Sender, der auf diese Weise seinen Kunstbesitz der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

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