Spiegel: Betrugsfall im eigenen Haus aufgedeckt - Medien

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Das Reporter-Forum, das den Reporterpreis vergibt, reagierte mit Entsetzen und Wut "über die geradezu kriminelle Energie, mit der Claas Relotius auch uns getäuscht hat - die Organisatoren des Deutschen Reporterpreises, die Jurorinnen und Juroren, die ihm insgesamt vier Mal diese Auszeichnung verliehen haben" Die Jury berate nun, ob Claas Relotius seine vier Reporterpreise aberkannt würden. Aufgedeckt worden, so steht es bei Spiegel Online, sei es durch interne Hinweise, eigene Recherche und schließlich ein umfassendes Geständnis des Redakteurs selbst.

Im Fall Relotius kam erschwerend hinzu, dass Falschinformationen aus den eigenen Reihen nicht eingeplant sind: "Dass ein Kollege vorsätzlich betrügt, kann nicht Teil der alltäglichen Überlegungen im Journalismus sein", schreibt Fichtner. Darin geht es um einen Jugendlichen, der durch ein Graffito einen Aufstand provoziert, der den Syrienkrieg auslöst. "Das Haus entschuldigt sich auch bei seinen Leserinnen und Lesern, bei allen geschätzten Kolleginnen und Kollegen in der Branche, bei den Preiskomitees und -jurys, den Journalistenschulen, bei der Familie Rudolf Augsteins, bei Geschäftspartnern und Kunden", heißt es weiter.

Nach anfänglichem Leugnen, so Spiegel Online, habe Relotius zugegeben, dass er viele Passagen nicht nur in dem einen Text, sondern auch in anderen erfunden habe.

Relotius hat die Vorwürfe laut "Spiegel" eingeräumt.

Konkret aufgeflogen waren die Fälschungen aber offenbar in einem anderen Stück: "Jaegers Grenze" über eine Bürgerwehr in Arizona. Moreno reiste noch einmal an den Ort und fand Ungereimtheiten. Der Schwindel flog erst auf, als die stellvertretende Ressortleiterin Relotius eröffnete, sie glaube ihm nicht mehr. Es sei ihm nicht um das nächste grosse Ding gegangen: "Es war die Angst vor dem Scheitern - der Druck, nicht scheitern zu dürfen, wurde immer grösser, je erfolgreicher ich wurde". Ein Kollege habe ihm sogar gesagt, er hätte eher seiner eigenen Mutter einen "Fake" zugetraut als Claas Relotius, so hoch sei dessen Ansehen gewesen. Er wurde "CNN Journalist of the Year", bekam den Reemtsma Liberty Award und außerdem vier Reporterpreise. Der Peter-Scholl-Latour-Preis wird jährlich von Wickerts Stiftung für die Berichterstattung über das Leid von Menschen in Krisen- und Konfliktgebieten vergeben. Neuer Preisträger ist "Stern"-Korrespondent Raphael Geiger für seinen Beitrag "Unter Ruinen das Leben".

"Ich bin tief erschüttert über diesen Betrug". Am Mittwoch hatte der "Spiegel" selbst die Betrugsfälle im dem Nachrichtenmagazin öffentlich gemacht. "Der vermeintliche Reporter hat nicht nur dem "Spiegel" großen Schaden zugefügt, sondern die Glaubwürdigkeit des Journalismus in den Dreck gezogen", sagte DJV-Vorsitzender Frank Überall am Mittwoch laut Mitteilung. Bevor Relotius beim "Spiegel" anheuerte, hatte er unter anderem für das Magazin "Cicero", die "Neue Züricher Zeitung am Sonntag", die "Financial Times Deutschland", die "taz", das "SZ-Magazin" der "Süddeutschen Zeitung", "Zeit-online" und die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" gearbeitet. Und dann nahm er den Preis ganz am Rand der Bühne entgegen, als traute er sich nicht in die Mitte, ins Rampenlicht.

Aber Relotius habe geantwortet, das Thema des Textes sei zu ernst für eine flapsige Ankündigung.

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