Aufsichtsrat schimpft: Bahn ist "Katastrophenveranstaltung" - Überregionales

Weniger als ein Viertel der Züge der Deutschen Bahn ist'voll funktionstüchtig

Berlin - Bei der Deutschen Bahn wird angesichts zahlreicher Probleme der Ton rauer.

Das schrieb das Bundesinnenministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag, wie die "Passauer Neue Presse" berichtete. 2015 wurden demnach insgesamt 1876 Körperverletzungen auf Bahnmitarbeiter registriert, 2016 waren es 2374 und 2017 dann bereits 2550. "Die Beschäftigten erfahren täglich den angestauten Frust über schlechte Leistungen ihres Unternehmens, im schlimmsten Fall bis hin zur Gewalt", erklärte Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, gegenüber der Zeitung.

Angesichts von Verspätungen und Technikproblemen bei der Deutschen Bahn hat Vize-Aufsichtsratschef Kirchner auf den Frust der Mitarbeitern hingewiesen. "Nicht wenige denken: Es wird eh nicht besser. Viele Kollegen haben die Hoffnung verloren", sagte Kirchner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Die Kollegen in den Zügen und auf den Bahnhöfen sind mit der Wut der Reisenden über Verspätungen direkt konfrontiert. Sie müssen sich permanent für Probleme rechtfertigen, die sie weder verursacht haben noch verhindern können".

Die Deutsche Bahn hatte zuletzt ihre selbst gesetzten Ziele bei der Pünktlichkeit klar verfehlt; Kunden klagen auch häufig über Probleme wie kaputte Toiletten oder geschlossene Bord-Restaurants. "Das war in der Vergangenheit die Ausnahme, jetzt ist es fast der Regelfall", sagte Kirchner.

Bahn-Aufsichtsrat Klaus Dieter Hommel
Britta Pedersen Bahn Aufsichtsrat Klaus-Dieter Hommel

"Die Bahn ist über Jahre auf Verschleiß gefahren worden", sagte EVG-Chef Kirchner. "Das führt dazu, dass das System allmählich kippt".

Der Vizeaufsichtsratschef gab nicht nur dem aktuellen Vorstand um Bahnchef Richard Lutz und dessen Vorgängern die Schuld an der schwierigen Lage bei dem staatlich kontrollierten Unternehmen.

Der Grünen-Verkehrspolitiker Gastel warf der CSU vor, die Krise der Bahn durch falsche politische Entscheidung mitverschuldet zu haben. "Es ist nicht damit getan, die DB mit einer Strukturreform zu beauftragen und in der Bahnpolitik sonst alles beim Alten zu belassen", sagte Gastel der dpa. Aufsichtsratschef Odenwald sagte der "Welt am Sonntag", der Vorstand müsse "mit dem Eigentümer Bund einen gangbaren Weg erarbeiten und dem Aufsichtsrat in der Sitzung im März ein entsprechendes Konzept vorlegen". Die CSU stellt seit 2009 den Verkehrsminister. "Das ist hier inzwischen eine einzige Katastrophenveranstaltung", schimpfte Bahn-Aufsichtsrat Klaus-Dieter Hommel, der auch Vizechef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ist. Auch bei den Abläufen im bundeseigenen Konzern müsse es Verbesserungen geben. Mit der Realität habe dies nach neun Jahren CSU-Verkehrspolitik immer weniger zu tun.

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