Nachteile: VW rät Kunden von Hardware-Nachrüstungen bei Diesel-Pkw ab

Wolfsburg. Volkswagen grätscht den Plänen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dazwischen. Vor allem bei kompakten Fahrzeugen steht auch der entsprechend notwendige Bauraum für Hardware-Nachrüstlösungen gar nicht oder nur mit Einschränkungen im Innenraum zur Verfügung.

"Wir können keine Garantie für ein Fahrzeug übernehmen, in das nachträglich Abgasreinigungssysteme Dritter eingebaut wurden", sagte Verbandspräsident Bernhard Mattes der Zeitung "Die Welt" (Freitagsausgabe). Gegenwind kommt allerdings von den Autobauern; Verbraucherschützer forderten die Konzerne deshalb auf, Hardware-Nachrüstungen nicht länger zu blockieren.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) appellierte an die Hersteller, eine Hardware-Nachrüstung nicht zu blockieren. In vielen Kommunen werden Schadstoff-Grenzwerte überschritten, Gerichte haben für mehrere Städte Fahrverbote angeordnet. Auch Scheuer hatte sich ablehnend geäußert. Er hatte aber auf Druck der SPD und des Kanzleramts im November mit den deutschen Herstellern einen Kompromiss erzielt. Auch können, entgegen anderer Meldungen, nicht alle Euro 5-Fahrzeuge umgerüstet werden. Experten schätzen die Kosten inklusive Einbau auf etwa 3000 Euro. Das Risiko dürfe nicht auf die Kunden abgewälzt werden. "Es kann nicht sein, dass die Unternehmen, die den Abgasskandal verursacht haben, eine Lösung für Menschen mit kleinem Geldbeutel blockieren, weil sie darauf keine Lust haben", sagte Marion Jungbluth, Leiterin des Teams Mobilität und Reisen beim VZBV.

Hersteller von Katalysatoren halten die Nachrüstungen für machbar.

Das deutsche Verkehrsministerium hatte zuvor ein 30-seitiges Papier veröffentlicht, in dem die technischen Anforderungen für Hardware-Nachrüstungen aufgeführt werden. Der Konzern wolle Spezialfirmen, die ab Januar mit der Entwicklung der Systeme beginnen könnten, technisch nicht helfen, schrieb das Nachrichtenmagazin. Es ist aber unklar, wie genau das funktionieren soll.

Diesel werden bei den Kunden immer unbeliebter. Wenn dann die Genehmigung durch das KBA erteilt werde, sollten die Systeme "zeitnah" auf dem Markt angeboten werden können. Das soll zum Beispiel gelten, wenn sie mit einer neuen Hardware nachgerüstet werden. Durch eine Nachrüstlösung sei auch eine dauerhafte Funktionssicherheit der Technik nicht zu gewährleisten, so der Autobauer. Zudem ließen sich nicht alle Euro-5-Fahrzeuge nachrüsten und nicht alle würden einen Richtwert von 270 Milligramm je Kilometer unterschreiten, um von drohenden Einfahrverboten ausgenommen zu werden.

Bei Daimler hingegen kümmert sich eine eigene Arbeitsgruppe um die Nachrüstung. Bisher lägen aber keine Anträge vor.

Verantwortung für eine erfolglose Nachrüstung wollen die deutschen Autohersteller nicht tragen. Darüber hinaus würden keine Erkenntnisse darüber vorliegen, wie sich nachträgliche Eingriffe in das Steuerungssystem, die Komponenten und die Fahrzeugarchitektur auswirken. "Das Fahrzeug wird sehr wahrscheinlich mehr verbrauchen, an Leistung verlieren und auch lauter werden", erklärte VW-Entwicklungschef Frank Welsch am Freitag. Für die Kunden würde das Nachteile bedeuten.

Ein Euro-5-Auto mit einer elf Jahre alten Motorengeneration auf den Stand eines modernen Euro-6-Fahrzeugs aufzurüsten, sei aus technischer Sicht nicht möglich.

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