Bluttest kann Verlauf von Alzheimer vorhersagen

Bluttest kann Verlauf von Alzheimer vorhersagen

Die meisten Bluttests auf Alzheimer beruhten auf dem Nachweis von Amyloid-Proteinen, heißt es in der Mitteilung.

Dem DIAN-Netzwerk gehören Menschen mit einer Alzheimer-Mutation und Familienangehörige ohne Mutation an.

Tübingen/Wien. Erinnerungslücken, Orientierungslosigkeit, Verwirrung - das sind nur einige Symptome, die das Leben von Menschen mit Alzheimer-Demenz prägen. Es wäre unverantwortlich, jemandem Jahre im Voraus eine Demenz vorherzusagen, ohne ihm eine wirkungsvolle Behandlung anbieten zu können.

Für Betroffene und Angehörige ist es aber ein wichtiger Schritt, denn mit dem Bluttest können neue Alzheimer-Therapien erforscht werden. Denn mit einem neuen Bluttest sind Alzheimer-Spuren schon lange vor Krankheitsbeginn zu entdecken. Das liegt vermutlich vor allem daran, dass die bisherigen Therapieversuche mit neuen Wirkstoffkandidaten viel zu spät einsetzen. In solchen Fällen könnte der Bluttest helfen.

Die meisten bisherigen Tests basieren auf den sogenannten Amyloid-Proteinen. "Unser Test sucht allerdings nicht nach den Amyloiden selbst, sondern danach, was diese im Gehirn verursachen - nämlich die Neurodegeneration. Anders gesagt: den Tod von Nervenzellen", erklärte Jucker. Derzeit konzentrieren sich die Wissenschafter allerdings noch auf Alzheimer.

Die Veränderung der Konzentration von Neurofilamenten im Blut gibt offenbar gut darüber Auskunft, wie eine Alzheimer-Erkrankung verlaufen wird.

Forscher haben nun einen Test entwickelt, der schon Jahre vor den ersten Symptomen auf eine mögliche Alzheimererkrankung hinweist, berichten sie im Fachblatt "Nature Medicine".

"Eine Ausnahme bildet jedoch ein kleines Stückchen eines sogenannten Neurofilaments, das gegen diesen Abbau erstaunlich resistent ist". Die Forscher um Jucker untersuchten jährlich die Konzentration von Neurofilamenten im Blut dieser Probanden.

Beteiligt sind neben dem DZNE, dem HIH und dem Universitätsklinikum Tübingen auch die Washington University School of Medicine in St.

In der internationalen Studie mit 405 Personen wurde der Bluttest bei Personen mit einer genetisch bedingten Alzheimer-Krankheit eingesetzt. Louis (USA) sowie weitere Einrichtungen in aller Welt. Dabei ist zu beachten, dass sich die Neurofilamente nicht nur bei Alzheimer im Blut nachweisen lassen, sondern auch bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen wie Multipler Sklerose und Huntington sowie bei schweren Schädelverletzungen. Um bessere Behandlungserfolge zu erzielen, wäre es daher wichtig, die Erkrankung schon vor dem Auftreten der ersten spürbaren Symptome diagnostizieren zu können.

"Es ist nicht der absolute Wert der Filament-Konzentration, sondern deren zeitliche Entwicklung, die wirklich aussagekräftig ist und Vorhersagen über den weiteren Krankheitsverlauf erlaubt", wird Jucker zitiert. Genetische Analysen erlauben recht genaue Vorhersagen darüber, ob und wann ein Familienmitglied an Demenz erkranken wird.

Mit dem Test konnten die Forscher feststellen, dass es bis zu 16 Jahren vor dem errechneten Eintreten von Demenzsymptomen im Blut auffällige Veränderungen gab. "Wir konnten Vorhersagen über den Verlust von Hirnmasse und über kognitive Beeinträchtigungen machen, die dann zwei Jahre später tatsächlich eingetreten sind", sagt Jucker.

Während sich also herausstellte, dass die Veränderungsrate der Filament-Konzentration und der Abbau von Hirngewebe eng miteinander korrelierten, war der Zusammenhang mit der Ablagerung toxischer Amyloid-Proteine weit weniger ausgeprägt. Diese Beobachtung stützt den Wissenschaftlern zufolge die Annahme, dass diese Proteine zwar ein Auslöser der Erkrankung sind, der neuronale Abbau im weiteren Verlauf jedoch unabhängig von ihnen erfolgt. Er wäre vielmehr ein wertvolles Hilfsmittel, um die Wirksamkeit neuer Therapien schon im Frühstadium der Krankheit in klinischen Studien überprüfen zu können. Der Test kann damit den Krankheitsverlauf anzeigen, eignet sich laut Aussage der Forscher aber noch nicht zur Diagnose von Alzheimer.

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