Aus Jakarta: Künstler-Kollektiv kuratiert die documenta 15

Der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle mit Ade Darmawan und Farid Rakun von Ruangrupa

Sie sind jung, lachen viel, machen Selfies und wollen alles erst mal auf sich zu kommen lassen. Ruangrupa, das aus einem festen Kern aus 10 Künstlern besteht, tritt damit die Nachfolge von Adam Szymczyk an, der die documenta 14 vor zwei Jahren künstlerisch verantwortete. Die Findungskommission begründete ihre Entscheidung in Kassel damit, dass das Kollektiv "nachweislich in der Lage sei, vielfältige Zielgruppen - auch solche, die über ein reines Kunstpublikum hinausgehen - anzusprechen und lokales Engagement und Beteiligung herauszufordern". Dort wolle man "eine global ausgerichtete, kooperative und interdisziplinäre Kunst- und Kulturplattform schaffen, die über die 100 Tage der documenta 15 hinaus wirksam bleibt", erkärten zwei ruangrupa-Mitglieder Farid Rakun und Ade Darmawan bei der Präsentation in Kassel. "Wir suchen schon eine große Wohnung. wo man ordentlich zusammen kochen kann und einen großen Tisch hat", scherzt documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann über das neue Gemeinschaftsgefühl.

"Unser kuratorischer Ansatz zielt auf ein anders geartetes, gemeinschaftlich ausgerichtetes Modell der Ressourcennutzung - ökonomisch, aber auch im Hinblick auf Ideen, Wissen, Programme und Innovationen", so die Künstler-Kuratoren weiter. "Wir haben in den letzten anderthalb Jahren keine leichte Zeit hinter uns". Dem wolle man partnerschaftliche Modelle gegenüberstellen. Auch bei ihrer eigenen Arbeit geht es ihnen mehr um Verbindung statt Selbstverwirklichung: "Die zentrale Frage für uns ist, was braucht die Gemeinschaft, was braucht Kassel", sagte Rakun. Die Kunstschau war 1955 entstanden, um Kunst zu zeigen, die von Nationalsozialisten als "entartet" zensiert wurde.

Wie immer die Ausstellung bzw. der event documenta 15 aussehen wird, die Praxis wird jedenfalls eine sehr andere sein, als die bisherige, die immer auf die Position einer Kuratorin bzw. eines Kurators fixiert war.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der documenta, der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), kündigte an, dass die Findungskommission die documenta 15 auch nach der Nominierung der künstlerischen Leitung als eine Art Beirat weiterhin begleiten werde. Auch der documenta in ihrer deutschen Verwaltungswelt. Statt solche Gruppen als Teil einer Schau eines "Heldenkurators" zu präsentieren, habe man sich nun für den "real deal" entschieden.

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