AOK:Ärzte bieten Selbstzahlerleistungen vor allem Besserverdienenden an

Karl-Josef Hildenbrand

Den Ergebnissen zufolge besteht ein starker Zusammenhang zwischen Einkommen und Schulbildung der Patienten und dem Angebot des Arztes für eine Igel-Leistung. "Offensichtlich spielt es also nicht nur eine Rolle, für wie medizinisch relevant Ärzte eine Leistung erachten, sondern auch, wie sie die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Patienten einschätzen", so Zok. Etwa drei Viertel der Patienten (71,6 Prozent), die eine IGeL-Leistung angeboten bekommen, nehmen diese auch in Anspruch, so die Umfrage.

Früherkennung von Krebs oder Grünem Star, Down-Syndrom-Tests für Föten - oder Medikamente für die Darmflora: Ärzte machen ihren Patienten regelmäßig Angebote zum Selbstzahlen - offenbar nicht nur nach medizinischen Gesichtspunkten. Bei den Befragten mit einem Haushaltseinkommen unter 2.000 Euro wurde nur rund jeder Fünfte vom Arzt auf diese Leistungen angesprochen. Es ergab sich eine Spanne zwischen unter 10 und 1000 Euro - mit einem Mittelwert von 74 Euro.

Durchschnittlich kostete eine IGeL rund 74 Euro. Während die Hälfte der Leistungen maximal 48 Euro kosten, werden für manche Leistungen hohe dreistellige und sogar vierstellige Beträge genannt.

Bei der vorangegangenen Befragung 2015 hatte das WidO mit einer Angebotsquote von 33,3 Prozent den vorläufigen Peak der privaten Leistungserbringung unter Kassenpatienten ermittelt. Spitzenreiter sind die Frauenärzte: Auf sie entfallen rund 28 Prozent der privatärztlichen Leistungen. Danach folgen Augenärzte mit 22 Prozent, Orthopäden mit 13 Prozent, Hautärzte mit 6 Prozent und Urologen mit 3 Prozent. Besonders Fachärzte igelten gern, heißt es. So bieten Augenärzte im Durchschnitt pro Jahr mehr als siebenmal so häufig IGeL-Leistungen an wie Allgemeinmediziner, Frauenärzte erreichen fast das Fünffache. Die Bundesärztekammer (BÄK) hatte darauf hingewiesen, dass Krankenkassen nicht alles bezahlen würden, was medizinisch sinnvoll sei.

Mit Abstand am häufigsten angeboten werden Ultraschalluntersuchungen (26,9 Prozent) - überwiegend zur Krebsfrüherkennung bei Frauen - und Leistungen im Rahmen der Glaukom-Früherkennung (18,1 Prozent).

Im Umgang mit IGeL-Angeboten müssen Ärzte rechtliche Vorgaben beachten, zum Beispiel den Abschluss einer schriftlichen Vereinbarung mit dem Patienten. Doch dies war lediglich bei 47 Prozent der Befragten IGeL-Patienten der Fall. Die verpflichtende Rechnung über die erbrachte Privatleistung mit detaillierten Angaben der Leistungsbestandteile und deren Preis hat jeder zehnte Patient nicht erhalten. Allerdings scheint es noch immer Verbesserungsbedarf sowohl hinsichtlich der vorschriftsmäßigen Leistungsvereinbarung als auch der korrekten Rechnungsstellung zu geben. Das belegt die repräsentative Umfrage von 2018 unter mehr als 2.000 gesetzlich Krankenversicherten ab 18 Jahre. Die Stichprobenziehung und Durchführung der Telefon-Interviews fanden in der zweiten Jahreshälfte 2018 statt.

Das Institut berechnet den Markt für Individuelle Gesundheitsleistungen auf ein Volumen von rund einer Milliarde Euro pro Jahr. Das WIdO hat in den vergangenen Jahren zu verschiedenen Zeitpunkten Daten zu diesem Thema erhoben.

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