Zweiter HIV-Patient ist seit 19 Monaten virenfrei

HIV Spritze Symbolbild

Nach einer Stammzellen-Transplantation ist ein HIV-Patient virenfrei. Das Besondere daran: Der Stammzellen-Spender hat in seinem Erbgut eine sehr seltene Mutation, die ihn immun gegen bestimmte Formen des HI-Virus macht. Das ist weltweit erst der zweite Fall. Das berichten Mediziner des University College London im Fachblatt "Nature". Demnach wurden bei dem Patienten seit 19 Monaten keine HI-Viren mehr nachgewiesen. Einen ähnlichen Fall hatte es vor 12 Jahren gegeben.

Die bisher einzige dokumentierte Heilung eines HIV-Patienten ist der Fall des US-Bürgers Timothy Brown im Jahr 2007.

Die Heilung setzte bei dem als "Berliner Patienten" bekannt gewordenen Brown ein, nachdem ihm Knochenmark von einem Spender transplantiert worden war.

Die Londoner Ärzte behandelten den jetzt beschriebenen Patienten nach dem gleichen Prinzip wie damals die Berliner Kollegen. Sie wollen jedoch nicht vorzeitig von einer dauerhaften Heilung sprechen, weil die Studienlage noch sehr dünn sei. Der Patient unterzog sich der Stammzellen-Transplantation eigentlich, um eine zusätzliche Krebserkrankung zu bekämpfen. Für die Therapie mussten die Ärzte ihm Knochenmark transplantieren. Das Knochenmark hatte eine genetische Veränderung aufgewiesen, die eine Infektion mit HIV verhindert.

Auch deutsche Wissenschaftler betonten am Dienstag, der neue Bericht habe eine große Bedeutung, mahnten aber zur Vorsicht.

Auch Hüter und Hans-Georg Kräusslich, Direktor der Abteilung Virologie am Universitätsklinikum Heidelberg, betonen, dass die Stammzellentransplantation zukünftig keine Option für die Heilung der HIV-Infektion sei, wenn die Transplantation nicht durch andere Erkrankungen des blutbildenden Systems erforderlich sei. Gupta und sein Team betonen jedoch, dass eine Stammzellentransplantation - eine gefährliche und schmerzvolle Prozedur - keine brauchbare Option zur Behandlung von AIDS darstellt.

Gero Hüter, der Brown an der Berliner Charité behandelte, verweist darauf, dass einige Patienten, die in der Zwischenzeit die gleiche Behandlung erhalten hatten, früh an Komplikationen oder Rückfällen ihrer Krebserkrankungen gestorben seien. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI), Gerd Fätkenheuer, erklärte, der Bericht zeige, dass die Heilung des Berliner Patienten kein singuläres Ereignis gewesen, sondern prinzipiell wiederholbar sei. Er gebe den Wissenschaftlern Auftrieb, die nach Wegen zu einer Heilung von HIV suchten. Zudem ist unklar, welchen Einfluss die Genveränderung auf die Kinder haben könnte.

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