Dirigent Michael Gielen im Alter von 91 Jahren gestorben

Dirigent Michael Gielen ist tot

Frankfurt war damals sein Wirkungsfeld, die Städtische Oper von 1977 bis 1987 sein Ort als Musikchef.

Gielen hat stets das Werk in den Mittelpunkt gestellt SWR Intendant Peter Boudgoust: "Wir haben mit Michael Gielen einen der großen Dirigenten des 20. Jahrhunderts verloren".

Nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit innovativen Regisseuren wie Hans Neuenfels, Ruth Berghaus und Volker Schlöndorff verwandelte er dabei die Bühne in Frankfurt zu einer der experimentierfreudigsten Institutionen des modernen Musiktheaters. Verdis "Aida" wurde zu einem umkämpften Opernabenteuer - und die scheinbar nur plakative Triumphmarschszene zur rabiaten Gesellschaftsanalyse und Revue-Unterhaltung gleichermaßen.

Das alles hatte mit der Herkunft und bewegten Entwicklung Michael Gielens zu tun, der am 20. Juli 1927 als Sohn eines jüdischen Opernregisseurs in Dresden geboren wurde. Seinen Weg begann er zeittypisch, im Zeichen von Nationalsozialismus und Exil.

Gefeierte Beethoven- und Mahler-Einspielungen Von 1986 bis 1999 war Michael Gielen Chefdirigent des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg, danach für weitere acht Jahre Ständiger Gastdirigent, später Ehrenmitglied des Orchesters, das eines der beiden Orchester ist, aus denen 2016 das SWR Symphonieorchester hervorging. Sein österreichischer Vater Josef, ehemaliger Direktor des Wiener Burgtheaters, wurde in Buenos Aires Oberspielleiter am Teatro Colon. "In dieser Aufführung unter Furtwängler vergass man, dass fast alle Tempi verschleppt waren und dass das Stil-Ideal von 1800 stammte - er überwältigte uns". Bitte keine Überwältigung in der Musik!

Gielen kehrte 1950 nach Wien zurück, zu Lehrjahren an der Staatsoper bei Karajan, Böhm und Mitropoulos. Michael Gielen war nicht nur ein begnadeter Musiker, sondern ist auch meinungsstark für die Orchestervielfalt eingetreten. Das Werk galt als unaufführbar, der Komponist Bernd Alois Zimmermann verlangte drei Dirigenten. Dagegen setzte Gielen Schönbergs "Überlebenden" als Zeichen eines realen Terrors, "eine Musik des Schreckens". Mit Stücken von poetischer Gedankenbrillanz, darunter ein vom LaSalle Quartet gespieltes Streichquartett.

Gielen, einer der gebildetsten Musiker seiner Zeit, war auf dem Notenpapier wie am Pult ein überaus scharf denkender Kopf, diskursiv hellhörig, mit Lust an Sarkasmus und Spitzzüngigkeit. Sie hatte nichts mit Laune oder Willkür zu tun - er suchte nach musikalischer Wahrheit. Jetzt ist Michael Gielen, ein großer Dirigent, doch nicht "Stardirigent", mit 91 Jahren am österreichischen Mondsee gestorben. So erhielt er 2010 den Ernst-von-Siemens-Musikpreis und das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland.

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