Türkei: Journalisten von ZDF und Tagesspiegel reisen aus

Zwei Reporter des ZDF und des "Tagesspiegel" verlassen das Land in Richtung Deutschland. Dieser Vorgang dürfte die erst jüngst verbesserten deutsch-türkischen Beziehungen erneut schwer belasten.

Der Chef von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, sagte: "Mit dem willkürlichen Akkreditierungsentzug für deutsche Korrespondenten setzt die türkische Regierung ihren Feldzug gegen die Medienvielfalt fort". Die türkischen Behörden hatten unter anderen dem ZDF-Studioleiter in Istanbul, Jörg Brase, und dem Korrespondenten Thomas Seibert, der unter anderem für den "Tagesspiegel" berichtet, keine neuen Pressekarten für das laufende Jahr erteilt. Sein Ministerium hat unterdessen die Reisehinweise für die Türkei aktualisiert.

"Wir werden weiter dafür eintreten, dass Journalisten ohne Beschränkung arbeiten können, auch in der Türkei", sagte Maas dem Bericht zufolge. Das ZDF werde gegen die Entscheidung auch gerichtlich vorgehen. "Davon sollten wir uns aber nicht einschüchtern lassen". Brase fügte hinzu, man werde weiter über die Türkei berichten, wenn auch von außerhalb des Landes. Brase ist seit Januar 2018 Leiter der ZDF-Korrespondentenstelle Istanbul.

Brase und Seibert sagten, der türkische Presseattaché in Berlin habe in ihren Redaktionen angerufen und ein Angebot unterbreitet: Wenn sie einen anderen Korrespondenten schickten, würde dessen Bewerbung geprüft.

Neben Brase und Seibert war Anfang März auch dem NDR-Reporter Halil Gülbeyaz die Akkreditierung entzogen worden. Mehrere weitere deutsche Journalisten warten noch auf eine Antwort. Seibert war seit 22 Jahren ununterbrochen in der Türkei akkreditiert. Brase sagte: "Das Leben geht weiter, ich kehre nun nach Deutschland zurück".

Zwei deutsche Journalisten haben nach der Verweigerung ihrer Akkreditierung am Sonntag die Türkei verlassen. Der Entzug der Arbeitsgenehmigungen sei "staatliche Willkür", sagte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer dem "Tagesspiegel". Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles sprach von einem "relevanten Rückschritt für die deutsch-türkischen Beziehungen".

Das Auswärtige Amt verschärfte am Samstag seine Sicherheitshinweise für die Türkei.

Es könne "nicht ausgeschlossen werden, dass die türkische Regierung weitere Maßnahmen gegen Vertreter deutscher Medien sowie zivilgesellschaftlicher Einrichtungen ergreift", heißt es nun darin.

Maas erklärte am Sonntagabend in der ARD, die Bundesregierung wolle deutlich machen, "dass jeder, der in die Türkei fährt oder fliegt, damit rechnen könnte, dass er dort zur Rechenschaft gezogen wird, wenn er sich, in welcher Form auch immer, in Deutschland öffentlich oder über soziale Netzwerke allzu kritisch mit der türkischen Regierung auseinandergesetzt hat". Dies könnte Menschen treffen, die im Ausland an Veranstaltungen von Organisationen teilgenommen hätten, die von der Türkei als terroristisch eingestuft würden.

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