ORF-Legende Elizabeth T. Spira ist tot

TV-Journalistin Elizabeth T. Spira ist gestorben

Tausende Menschen in ganz Österreich hat sie für ihre "Alltags-" und ihre "Liebesg'schichten" porträtiert, einigen davon das große Liebesglück vermittelt, und ihrem Millionenpublikum ebenso einfühlsame wie subtil-humorvolle Einblicke in das Leben am Rand verschafft: Die TV-Journalistin Elizabeth T. Spira ist in der Nacht auf Samstag in Wien mit 76 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

In memoriam Elizabeth T. Spira ändert der ORF sein aktuelles Programm. Bereits in der kommenden Sendung am 11. März zeigt der "kulturMontag" einen Nachruf und das Porträt "Elizabeth Toni Spira - Ich bin nicht wichtig".

Nach der Schulzeit studierte Spira in Wien Publizistik und arbeitete zunächst als Journalistin im Nachrichtenmagazin "profil": "Nachdem 'profil' an den 'Kurier' verkauft wurde, hat eine Gruppe von Journalisten gesagt: 'Für die Zuckerrübenindustrie arbeiten wir nicht!' und hat gekündigt", sagte Spira einmal gegenüber der APA. Spira prägte das österreichische Fernsehen wie wenige andere und stand unter anderem seit 1973 für den ORF vor der Kamera.

Gemeinsam mit dem Historiker Michael Mitterauer entwickelte Spira dann das "Alltagsgeschichten"-Konzept". Die Serie startete 1985, 1997 kam die TV-Partnervermittlung "Liebesg'schichten und Heiratssachen" dazu.

Auch das offizielle Österreich nahm zum Ableben Spiras Stellung.

Bundespräsident Alexander van der Bellen würdigte die Dokumentarfilmerin via Twitter als "große Chronistin". Spira und ihr Kameramann Peter Kasperak wurden zu Quotengaranten und Fließbandarbeitern. Dabei braucht es viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Menschen, die vor der Kamera ihr Herz ausschütten - oft erstmals seit Jahren. Mit "Alltagsgeschichten" und "Liebesg'schichten und Heiratssachen" schuf Spira zwei Kultsendungen. Am Dienstag, den 12. März, zeigt ORF 2 die Doku "20 Jahre Liebesg'schichten und Heiratssachen".

Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) meldete sich via Twitter.

Der ORF trauert um Spira. "Das Lebenswerk der österreichischen Journalistin Elizabeth T. Spira ist beeindruckend und beschreibt Österreichs Gesellschaft auf eine ganz besondere Art und Weise", so Kurz. Trotz Kurzatmigkeit und ständiger Versorgung mit Sauerstoff hat die ehemals starke Raucherin bis zuletzt an den neuen Folgen gearbeitet. "Unser tiefes Mitgefühl gilt nun ihrer Familie und ihren Angehörigen".

Die verstorbene Dokumentarfilmerin sei demnach von der ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner mit folgenden Worten gewürdigt worden: "Sie war ein hochpolitischer Mensch, der trotz Gegenwind seinen Weg des Journalismus und der Aufklärung gegangen ist - und immer den Schalk in den Augen hatte". Die Verantwortung für Lacher von der falschen Seite, für jene, die ihre Sendungen als Freakshow sehen würden, wies Spira stets zurück: "Wo ich den Applaus bekomme, interessiert mich nicht", sagte Spira einmal im ORF-"Kulturmontag". ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz sagt: "Mit Elizabeth T. Spira verlieren wir eine der renommiertesten ORF-Journalistinnen des Landes". Sie habe wie keine andere die österreichische Seele durchleuchtet, und deren genauem Blick sei nichts entgangen.

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