Australien zieht umstrittenes Boeing-Modell aus dem Verkehr

Der Flugzeugtyp hat eine Software die die Nase der Maschine automatisch nach unten drückt wenn sie zu hoch fährt

Die Luftfahrtbehörden in Singapur, Indien und Australien haben in Reaktion auf den ungeklärten Absturz einer Boeing 737 Max in Äthiopien, bei dem am vergangenen Sonntag 157 Menschen starben, den Einsatz des betroffenen Flugzeugtyps untersagt oder eingeschränkt. Es gebe aber bereits Anfragen besorgter Passagiere, die Flüge mit diesem Flugzeugtyp vermeiden wollten.

Zuvor hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA mitgeteilt, dass Software- und Systemänderungen erforderlich seien. China und Indonesien sprachen ein vorläufiges Startverbot für Maschinen des Typs aus. Bereits nach dem Absturz der "Lion Air"-Maschine im Oktober gab die FAA eine Mitteilung an alle Airlines, um über mögliche Fehlfunktionen zu informieren". Die Max ist ein zentraler Teil der Boeing-Strategie, mit dem europäischen Rivalen Airbus mithalten zu können. Die Aktie von Boeing sank am Tag des Absturzes um beinahe 7 Prozent, seitdem ist sie 26 Prozent höher gestiegen, verglichen mit einem Plus von 4 Prozent im Index Standard & Poor's 500. Offiziell kostet eine Max 8 172 Millionen Australische Dollar (108 Millionen Euro).

China hat an diesem Montag als erstes Land reagiert und alle Flüge der Boing-737-Max-8 vorerst eingestellt. In den weit verstreuten Trümmern des Flugzeugs suchen Helfer auch nach den Black Boxes - den Flugschreibern mit den Aufzeichnungen der Flugdaten und der Cockpitgespräche. Das Auswärtige Amt bemüht sich derweil weiterhin um Klärung, wie viele Deutsche an Bord des Jets waren. In China sind 96 Flugzeuge betroffen. In Deutschland soll die erste 737 Max im April starten.

Die größte mexikanische Fluggesellschaft Aeroméxico kündigte an, ihre sechs Maschinen des Typs so lange am Boden zu lassen, bis nähere Informationen zur Absturzursache vorliegen. Die FAA teilte mit, man werde "geeignete Maßnahmen ergreifen, wenn die Daten darauf hindeuten, dass dies erforderlich ist". Allerdings werde man diese Jets vorerst nicht abnehmen, sagte Lion-Air-Manager Daniel Putut.

Laut Luftfahrtbundesamt werden bei deutschen Fluggesellschaften zurzeit noch keine Boeing 737 Max 8 "im regelmäßigen gewerblichen Linienverkehr mit Passagieren" eingesetzt.

Kompliziert könnte die aktuelle Lage für den deutschen Reiseveranstalter Tui werden, der laut Eiselin 25 Flugzeuge des Typen Boeing 737 Max 8 bestellt hätte. Statistiken besagen, dass bisher weltweit 350 Maschinen in Dienst gestellt wurden und mehr als 5000 Bestellungen von zahlreichen Fluggesellschaften vorliegen. Man bemühe sich um alle relevanten Informationen, allerdings habe es sowohl bei den belgischen als auch den schwedischen Kollegen noch nie Komplikationen mit der Boeing 737 Max 8 gegeben. In beiden Fällen beendete die Maschine kurz nach dem Start ohne sichtbaren Grund bei bestem Wetter und ohne erkennbare technische Probleme ihren Steigflug. Andere Airlines wie Norwegian und Tuifly erklärten hingegen, die Maschinen blieben zunächst weiter in Betrieb. Ein möglicherweise ähnlicher Fehler in der Elektronik konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden.

Ethiopian Airlines gilt als zuverlässige Fluggesellschaft und ist wie Lufthansa Mitglied des Bündnisses Star Alliance. Die 737-Max-Reihe ist die neueste Variante des Verkaufsschlagers.

Der Flugzeugbauer Boing hat nun eine rasche Erweiterung einer umstrittenen Steuerungssoftware versprochen. Über Sicherheitsprobleme sei nichts bekannt.

Die Katastrophe in Äthiopien weist Parallelen zu anderem Unglück auf. Ein Boeing-Sprecher sagte, dass die Software-Upgrades in den kommenden Wochen bei allen Maschinen aufgespielt würden. Das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) war nach dem Absturz, bei dem 189 Menschen ums Leben kamen, schwer in die Kritik geraten.

"Bei dem Lion-Air-Absturz war es offenbar so, dass der Bordcomputer fälschlicherweise den Eindruck hatte, dass das Flugzeug zu langsam ist und dann die Nase nach unten gedrückt hat".

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