Post übernimmt Großteil an DHL-Geschäft in Österreich

Die Gerüchte über einen möglichen DHL-Rückzug kursierten bereits seit zwei Wochen, nachdem Ken Allen, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Post, im "Manager Magazin" dies in Erwägung gezogen hatte.

Die Österreichische Post hat einen Konkurrenten weniger und dafür einen Partner mehr: Sie übernimmt im Laufe des Jahres 2020 den Großteil des Zustellgeschäftes der deutschen DHL in Österreich. Voraussetzung ist grünes Licht der Wettbewerbsbehörden in Österreich und Deutschland.

Konkret soll die heimische Post die Paketzustellung übernehmen. Zudem ist geplant, Mitarbeiter und einen Großteil der bisherigen DHL-Logistikstandorte übernehmen. Wie viele Beschäftigte betroffen sind und um welche Standorte es sich handelt, wurde nicht mitgeteilt. Die Zusammenarbeit soll noch heuer starten. DHL sprach heute in einer Pressemitteilung von einer "langfristigen Partnerschaft zur Forcierung des Paketgeschäfts". Weitere Kooperationsmöglichkeiten im Bereich E-Commerce würden geprüft. Euro, die Österreichische Post brachte es auf 2 Mrd. Euro. Die Deutsche Post hatte im Vorjahr rund 28 Millionen Pakete in Österreich zugestellt. Das anvisierte Ziel könne mit der DHL-Kooperation bereits früher erreicht werden, heißt es in der Mitteilung. Es entstanden Verteilzentren bei Graz und in Wien-Liesing. Die Flughafen-Wien-Vorstände gehen davon aus, dass dort ab Mai 200 bis 300 Jobs entstehen werden. 75 Prozent des Marktes hielten 2018 die Post und DHL, wobei auf die teilstaatliche Post 47 Prozent entfielen. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) wird anlässlich der geplanten Übernahme den österreichischen Paketmarkt einer genauen Prüfung unterziehen, wie BWB-Chef Theodor Thanner am Dienstag gegenüber der APA ankündigte.

Beim DHL-Deal ist jetzt einmal die Wettbewerbsbehörde am Zug. In der Vergangenheit hat die BWB bei Zusammenschlüssen mit hohen Marktanteilen Marktbefragungen durchgeführt.

Post-Chef Georg Pölzl sieht kein Wettbewerbsproblem, durch den Einstieg von Amazon würden sich die Marktanteile deutlich verschieben. Dies wird auch in diesem Fall erwogen, wie Thanner sagte. Jedenfalls weit über die zwei Prozent, die das "Branchenradar" für Amazon für das Vorjahr ausgewiesen hat.

Wie viel vom Paketkuchen sich der US-Konzern schnappen werde, ist aber schwer abzuschätzen, so Pölzl am Dienstag zur APA. Zur Suche nach einem Finanzdienstleister meinte der Post-Generaldirektor heute: "Es tut sich sehr viel".

Das Einkaufszentrum in der neuen Post-Zentrale am Wiener Rochusmarkt, das anfänglich noch einigen Leerstand hatte, sei inzwischen gefüllt, versichert Pölzl. Pläne die Post weiter zu privatisieren gibt es offiziell derzeit nicht. Zum Hintergrund: Die Datenschutzbehörde hat festgestellt, dass die Post Daten zur "Parteiaffinität" nicht verarbeiten hätte dürfen. Dem war zuvor schon die Post nachgekommen, will aber nun auf dem Rechtsweg eine endgültige Klärung zur Verarbeitung personalisierter Daten herbeiführen.

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