Mit 55 Jahren - Ex-Museumschef Okwui Enwezor gestorben

Der Kurator und Autor Okwui Enwezor verstarb im Alter von 55 Jahren.
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Er starb im Alter von 55 Jahren, wie das Münchner Haus der Kunst mitteilte.

Der ehemalige Museumschef Okwui Enwezor ist tot.

Okwui Enwezor war der erste afrikanische Kurator, dem die Leitung bedeutender internationaler Großausstellungen anvertraut wurde und er nutzte diese Rolle, um den westlichen Blick, das Hegemoniale und Koloniale Gehabe der Kunstszene zu brechen und den "Periphierien" ihren gleichwertigen Platz in der Kunst zu sichern. Jetzt ist der gebürtige Nigerianer an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben, teilte das Haus der Kunst mit. Sie sind dabei kostümiert wie documenta-Leiter Okwui Enwezor. Biennale von Venedig. "Es gibt nie den idealen Zeitpunkt für einen Abschied, aber ich trete zu einem Zeitpunkt zurück, an dem das Haus der Kunst eine künstlerische Position der Stärke erreicht hat", sagte er im Vorjahr.

Mit 19 Jahren hatte der Sohn eines Bauunternehmers seine Heimat Nigeria in Richtung New York verlassen. Über sein Interesse für Lyrik kam er schließlich zur Kunst. 1993 gründete Enwezor die Zeitschrift "Nka: Journal of Contemporary Art", mit dem Ziel eine Plattform für afroamerikanische Kunst zu schaffen. Das ist ihm auch gelungen: Als erster Nicht-Europäer kuratierter er die Documenta 11 im Jahr 2002 in Kassel.

Erst in der vergangenen Woche eröffnete im Münchner Haus der Kunst die Retrospektive des ghanaischen Künstlers El Anatsui.

So habe etwa die Ausstellung "Post War" im Jahr 2016 letztlich dreimal so viel gekostet wie ursprünglich veranschlagt, sagte der Kulturjournalist Tobias Krone im Deutschlandfunk Kultur. Enwezor hatte keinen Finanzdirektor an seiner Seite - das sei dem Museum letztlich auf die Füße gefallen. Das sich gerade in jüngerer Zeit radikal verändernde Verhältnis von kulturellem Erbe und Postkolonialismus hat Okwui Enwezor theoretisch und praktisch vorbereit wie kaum jemand sonst. "Das sind Horizonterweiterungen, die ich ganz persönlich erfahren habe", sagt Probst. Enwezors kuratorische Arbeit wird fehlen, nicht nur in München.

Wie wichtig Enwezors Themen und die von ihm eingeleitete Öffnung des Blicks noch werden würden, zeigt sich auch daran, dass alle späteren Ausgaben der Documenta diese globale Ausrichtung fortsetzten und weiterentwickelten. "Der Kolonialisierungsdiskurs wurde ganz wesentlich durch Enwezor mit angeschoben", meint Probst.

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