Verkehr: SPD-Frauen: Scheuers Radlerhelm-Werbung "sexistisch" - Startseite

Verkehrsminister Andreas Scheuer

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) startet eine Kampagne für Fahrradhelme, die auf heftige Kritik stößt. Es suchte ein hübsches Gesicht für eine Kampagne zur Verkehrssicherheit, deren Plakate in der kommenden Woche in zahlreichen deutschen Großstädten aufgehängt werden. Mit den Bildern solle eine "schwer erreichbare Zielgruppe angesprochen werden", nämlich die der 17- bis 30-Jährigen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums in Berlin. Vor allem SPD-Politikerinnen fühlen sich von der Werbeaktion abgestoßen - und fordern sogar ihren Stopp. Gleichzeitig hält sie die Sexismus-Diskussion in diesem Zusammenhang für überzeichnet: "Hier geht es um die Eitelkeit einen Helm zu tragen und das ist ein sehr guter Insight, auf dem die Kampagne gearbeitet hat". Auch eine Teilnehmerin der Pro7-Sendung "Germanys Next Topmodel" mit Heidi Klum wurde von dem prominenten Fotografen Rankin für die Kampagne ausgewählt. "Es ist peinlich, dumm und sexistisch, wenn der Verkehrsminister seine Politik mit nackter Haut verkauft", sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, Maria Noichl, der "Bild am Sonntag".

Ein Ministeriumssprecher hingegen verteidigte die Fahrradhelmwerbung: "Eine gelungene Verkehrssicherheitskampagne soll aufrütteln und darf polarisieren". Andere wiederum stehen dazu, dass Sexismus in beide Richtungen falsch ist - weder Frauen noch Männer sollten als Sexobjekte dargestellt werden.

Auch Josephine Ortleb, frauenpolitische Sprecherin der SPD, sagte der Zeitung, die Bundesregierung benötige dringend eine Gleichstellungskampagne.

Das Verkehrsministerium will mit der Kampagne, die auch Videos umfasst und am Dienstag offiziell vorgestellt werden soll, vor allem junge Menschen zum Tragen eines Helms animieren. Auf Facebook postete sie ein Foto von sich und ihrem Fahrrad. Ihr Sprecher erklärte dazu: "Lieber Andreas Scheuer: mit Helm, das geht auch angezogen". Die SPD-Bundestagsabgeordnete Manja Schüle bezeichnete die Kampagne ebenfalls als "zutiefst sexistisch". Es gebe viele Themen, um die sich Scheuer kümmern müsse, zum Beispiel mehr Verkehrssicherheit und das Vermeiden und Verhindern von Unfällen.

Unterstützung erhielt das BMVI vom Deutschen Rat für Public Relations (siehe Tweet oben) sowie von der Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA).

Doch hängen geblieben ist in der Öffentlichkeit nicht in erster Linie der Präventionscharakter der Aktion, sondern Videoaufnahmen von einem Model, das sich in Unterwäsche auf einem Bett räkelt und dabei einen Fahrradhelm trägt. Klar ist: Nur 8 Prozent der jungen Radfahrer tragen Helm.

Das Ministerium rechtfertigte sich via Twitter.

Bereits am Freitag hatte Scheuers Kampagne im Netz jede Menge ironischer Anmerkungen ausgelöst - neben Verständnis gab es auch viel Kritik. Der Grund sind die Einschaltquoten: 1,78 Millionen ZuschauerInnen sind zwischen 14 und 49 Jahre alt - perfekt für die gut gemeinte Aktion!

Das Ministerium lässt dazu auf seiner Website verlauten: "Auch wenn wir die Einwände von verschiedenen Seiten nachvollziehen können, stehen wir hinter den entstandenen Motiven".

Diese Kampagne hat nun mehr Menschen erreicht, als überhaupt erhofft.

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