Glyphosat: US-Richter fordert Bayer zu einer gütlichen Einigung auf

Auf den Konzern Bayer könnten Zahlungen in Höhe von 5 Milliarden Euro zukommen schätzt ein Analyst. Die Jury rät zur Einigung mit den Klägern

Ein US-Richter unternimmt nun einen Vorstoß, um langwierige Gerichtsverfahren abzukürzen. Bereits angesetzte Prozesstermine im kalifornischen San Francisco ließ Vince Chhabria laut einer Mitteilung an die Prozessbeteiligten vorerst streichen.

Sollten sich die Parteien nicht einigen können, werde ein Mediator gerichtlich bestellt.

"Wir werden selbstverständlich dem Beschluss des Gerichts hinsichtlich des Eintritts in eine Mediation Folge leisten", sagte Bayer-Sprecher Rolf Ackermann. "Dieser Verfahrenskomplex befindet sich jedoch noch in einer frühen Phase - es gibt lediglich zwei Jury-Urteile, in keinem Fall wurde bislang die Berufung durchlaufen".

Der zuständige Richter, bei dem mehrere Hundert Klagen gebündelt werden, forderte den Agrarchemie- und Pharmakonzern sowie die Kläger auf, einen Mediator einzuschalten.

Ein Richter hatte Bayer am Donnerstag zu einer Mediation im Fall einer Klägerin aufgefordert. Bayer konzentriere sich weiterhin darauf, seine Glyphosat-Produkte vor Gericht zu verteidigen. Aktuell bringt es Bayer noch auf etwa 56,5 Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Nach Ansicht der Jury ist es erwiesen, dass das glyphosathaltige Mittel "Roundup" erheblich zur Krebserkrankung des Klägers beigetragen hat. Insgesamt waren im Januar rund 11.200 Klagen gegen Bayer anhängig, Analysten rechnen damit, dass deren Zahl auf mindestens 15.000 anwachsen könnte. Am Donnerstag hat ein französischer Landwirt in einem entsprechenden Verfahren Recht bekommen. Eine Entschädigung wurde nicht festgelegt, das Berufungsgericht verwies an ein anderes Gericht in Lyon.

Zuletzt hat Bayer-Chef Werner Baumann eingeräumt, dass die Glyphosat-Prozesse dem Image von Bayer schaden. "Wir haben zwei Fälle erstinstanzlich verloren".

Deutlich werde dies an den Reputationswerten vor allem in Deutschland und Frankreich, weniger in den USA. "Es wird viel Politik, viel Stimmung und Meinung gemacht, die vollkommen dem derzeitigen Regulierungsstatus unserer Produkte entgegensteht". Die Geschworenen-Jury urteilte, dass Monsanto für Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup haftbar ist und dem 70-jährigen Kläger Edwin Hardeman Schadenersatz in Gesamthöhe von 80,3 Millionen Dollar (71,4 Mio Euro) zahlen muss. Die milliardenschwere Übernahme des Glyphosat-Entwicklers habe Bayer mit "größter Sorgfalt" geprüft.

Bayer-Aktien stehen schon seit Monaten unter Druck: Seit der Niederlage im Johnson-Prozess im vergangenen August ist der Börsenwert des Konzerns um fast 31 Milliarden Euro geschmolzen.

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