Europaweites Schneeballsystem?:Mietwagen-Firma Dexcar soll betrogen haben

Zu lange und größtenteils vergeblich. Zudem wisse man bei Dexcar nichts von den Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwaltschaft Bochum führe ein Ermittlungsverfahren gegen die Verantwortlichen einer in Essen ansässigen Autovermietung und einen externen Vermittler wegen des Verdachts des Betruges sowie der strafbaren Werbung, teilte die Bochumer Behörde auf Anfrage unserer Redaktion mit. Das Unternehmen könnte mittels eines Schneeballsystems Zehntausende Autofahrer geprellt haben, berichteten unter anderem "Süddeutsche Zeitung" und WDR.

Das Angebot klingt verlockend: "Langzeitmietautos zum monatlichen Nulltarif" oder "Nie wieder Geld ausgeben für ein neues Auto". Mit diesem Vertriebssystem konnte Dexcar eigenen Angaben zufolge rund 37.000 Kunden überzeugen. Der Autoverleiher "Dexcar Autovermietung GmbH" aus Essen traf offenbar den Nerv Zehntausender Menschen - und wirbt noch heute um Kunden.

Seit 2014 vermittelt das Startup-Unternehmen Autos. Das Versprechen von Dexcar: Nach bis zu zwei Jahren Wartezeit soll der Kunde für 24 Monate ein Auto gratis bekommen, inklusive KFZ-Steuer, Wartung, Versicherung und Reifenwechsel. Die Fahrzeuge selbst würden in großen Stückzahlen direkt beim Hersteller gekauft und nach zwei Jahren auf dem Gebrauchtwagenmarkt weiterverkauft. Die Manager des Unternehmens bezeichnen das System hingegen als "Network Marketing". Nun sind die Ermittler der Firma auf der Spur: Sie vermuten ein Schneeballsystem.

Beim Schneeballsystem handelt es sich im Grunde um ein gigantisches Umverteilungssystem. Bleiben die Neukunden irgendwann aus, fällt das Kartenhaus zusammen.

Ein bekanntes Beispiel ist der frühere Vorsitzende der US-Technologiebörse Nasdaq, Bernard Maddoff. Bei zahlreichen Schneeballsystemen in der Vergangenheit hatten sich die Betreiber selbst meist reichlich an der Anlegersumme bedient. Der gebürtige Italiener hat nach seiner Auswanderung in die USA Anleger zuerst mit einer Art Briefmarkenersatz und später mit Immobilien in Millionenhöhe betrogen.

Dexcar sieht sich als Opfer einer Verleumdungskampagne und streitet die Vorwürfe ab, so "SZ" und WDR.

Wie die Süddeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe berichtet, laufen auch in Österreich und Italien Ermittlungen - die Kartellbehörde in Rom habe bereits eine Strafe von 400.000 Euro gegen die Firma verhängt. Bisher sollen jedoch erst wenige hundert Fahrzeuge ausgeliefert worden sein. Im ganzen Bundesgebiet seien "eine Vielzahl von Kunden" betroffen, zitieren die Medien einen Behördensprecher.

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