Studie: Dramatisches Wohlstandsgefälle in Deutschland

Studie: Dramatisches Wohlstandsgefälle in Deutschland

Angesichts der besonders niedrigen Einkommen im Westen gebe "es Befürchtungen, dass manche Regionen den Anschluss verlieren", so Seils.

Eine Reise durch die Bundesrepublik ist wie eine Reise durch halb Europa. Zwischen den Städten und Kreisen der Bundesrepublik lassen sich fast so große Einkommensunterschiede feststellen wie zwischen Nord- und Südeuropa. Im deutschlandweiten Schnitt hat jede Person jährlich 23.295 Euro zur Verfügung. Das verfügbare Einkommen eines privaten Haushaltes ist das Einkommen nach Steuern, Sozialabgaben und Sozialtransfers, das gespart oder ausgegeben werden kann. Auch hier sind die regionalen Unterschiede allerdings groß.

Für die Studie haben Forscher der Hans-Böckler-Stiftung die neuesten verfügbaren Einkommensdaten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder ausgewertet.

Für ihre Studie werteten die WSI-Forscher Eric Seils und Helge Baumann Daten der amtlichen Statistiker aus. Damals waren es im Bundesschnitt 21.952 Euro pro Kopf. Nach Abzug der Preissteigerung betrug das Plus seit dem Jahr 2000 immerhin 12,3 Prozent.

Für Deutschland als Ganzes ergibt sich dabei übrigens ein deutlicher Wohlstandszuwachs: Von 2000 bis 2016 sind die verfügbaren Einkommen preisbereinigt pro Einwohner um 9,7 Prozent gestiegen.

Im bundesweit wohlhabendsten Landkreis Starnberg bei München war das durchschnittlich verfügbare Pro-Kopf-Einkommen der Privathaushalte zuletzt mit 34.987 Euro mehr als doppelt so hoch wie in Gelsenkirchen.

Anhand seiner Strukturdaten würde man Gelsenkirchen heute eher in Südeuropa vermuten als im alten Herzland der erfolgreichsten Exportnation. Deutlich schlechter schnitten Berlin mit 19 719 Euro, vor allem aber Leipzig mit 17.770 Euro und Duisburg 16.881 Euro ab. Beide NRW-Städte leiden unter einer zweistelligen Arbeitslosigkeit. Unter anderem sei Lidl-Eigentümer Dieter Schwarz, einer der reichsten Deutschen, in der Stadt gemeldet. Gleiches gilt für den Hochtaunuskreis nordwestlich von Frankfurt. Die Stadt in Nordrhein-Westfalen bildete mit 16.203 Euro pro Kopf das Schlusslicht im Einkommens-Ranking.

Auf der Karte können Sie für alle 401 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland das durchschnittliche verfügbare Einkommen pro Kopf ablesen.

Dennoch ist die Einkommenssituation vor allem in Kreisen und kreisfreien Städten in Ostdeutschland angespannt. Die Forscher sprechen von einer langsamen Annäherung zwischen beiden Landesteilen. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen lag im Osten zur Jahrtausendwende der Studie zufolge noch bei 81,5 Prozent des Westniveaus, 2016 knapp waren es knapp 85 Prozent. Den stärksten inflationsbereinigten Verlust verzeichneten die Einwohner der Stadt Offenbach, die einen durchschnittlichen realen Einkommensverlust von 8,7 Prozent verkraften mussten. Wir verraten Ihnen die Top Ten - und wo es Probleme gibt. Für Stadtbewohner sehen die Forscher noch einen Wermutstropfen.

In den 15 größten deutschen Städten fielen die Einkommenszuwächse unterdurchschnittlich aus. Hinzu kommt: Da Wohnkosten ebenfalls aus dem verfügbaren Einkommen bezahlt werden, dürften steigende Mieten insbesondere in den wachsenden Metropolen die finanziellen Möglichkeiten vieler Bewohner beschränken.

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