Essen - Thyssenkrupp sagt Aufspaltung ab

Thyssenkrupp hatte zuvor erklärt, dass die Fusion wegen Bedenken der EU-Kommission voraussichtlich nicht zustande kommen werde, und die geplante Aufspaltung des Unternehmens abgesagt. Statt dessen strebe thyssenkrupp eine andere Form der Neuausrichtung an. So sollen 6000 Stellen in den nächsten drei Jahren gestrichen werden, sagte Vorstandsvorsitzender Guido Kerkhoff am Freitag in einer Telefonkonferenz. Der Free Cashflow vor Fusionen und Übernahmen wird in Höhe eines dreistelligen Millionen-Euro-Bereichs negativ erwartet.

Thyssenkrupp und Tata wollten gemeinsam den zweitgrößten Stahlhersteller Europas schmieden.

Lesen Sie auch: Aus einem Thyssenkrupp sollen zwei Thyssenkrupp werden. In einer Mitteilung der Stiftung, die rund 21 Prozent der Aktien an dem Traditionskonzern hält, heißt es: "Die Stiftung möchte, dass das Unternehmen in allen Geschäftsfeldern wettbewerbsfähig aufgestellt ist, mit zukunftssicheren Arbeitsplätzen und einer nachhaltigen Dividendenfähigkeit".

Die Holding soll schlanker aufgestellt und die Verwaltungskosten deutlich gesenkt werden. Betriebsbedingte Kündigungen könnten bei einem Abbauprogramm dieser Größenordnung nicht ausgeschlossen werden, ergänzte Personalvorstand Oliver Burkhard.

Auch die Stahlsparte steht vor einer Umstrukturierung.

Ziel von Thyssenkrupp war es, sich von dem stark schwankungsanfälligen Stahlgeschäft weitgehend zu verabschieden.

Nun muss Thyssenkrupp wohl alleine mit den Problemen klarkommen: Die Branche brauche eine Konsolidierung, sagte Konzernchef Kerkhoff. Mit ihrem Fusionsplan hatten die Firmen auf die weltweiten Überkapazitäten auf dem Stahlmarkt reagieren wollen, mitsamt schwankenden Preisen und höheren Zöllen. Auch hier kann er sich weitere Konsolidierungsschritte vorstellen, allerdings würde thyssenkrupp hier immer die Mehrheit behalten wollen.

Zu der Geschäftslage von thyssenkrupp sagte Kerkhoff, diese liege unter den Erwartungen und sprach von einem "schwachen ersten Halbjahr". thyssenkrupp will seine Zahlen für das zweite Quartal am kommenden Dienstag vorlegen. Man werde aber im Stahl sowie im Handel die Mehrheit behalten.

Dank der Aussicht auf einen Börsengang der Aufzugssparte von thyssenkrupp ist am Freitag der Kurs der Aktie weit nach oben geschnellt. Das aktuelle Tageshoch liegt bei 13,54 Euro. Auch die geplante Stahlfusion mit Tata sei vom Tisch, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Aus heutiger Sicht werde - inklusive Stahlbereich - ein bereinigtes EBIT von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro erwartet und unter dem Strich ein Verlust. Unmittelbar nach Bekanntwerden der vermeintlichen Pläne stieg die Thyssenkrupp-Aktie um zwischenzeitlich mehr als zehn Prozent. Nach der Pressemitteilung von thyssenkrupp bauten die Papiere die Gewinne noch kräftig aus. Letzterem wäre neben dem Materialhandel auch der 50-Prozent-Anteil an dem Stahl-Joint-Venture zugeschlagen worden. Das europäische Stahlgeschäft von Tata sei in den vergangenen zehn Jahren zumeist eine Belastung für den indischen Stahlhersteller gewesen, merkte Analyst Pinakin Parekh von der Investmentbank JPMorgan an.

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