Konzernaufspaltung abgesagt? - Gerüchte um Thyssenkrupp lassen Aktie fliegen

ThyssenKrupp

Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff vollzieht mit zwei Entscheidungen eine Kehrtwende: Er legte das seit Jahren verfolgte Stahl-Joint-Venture mit Tata Steel ebenso zu den Akten wie die Konzernaufspaltung, die er im Herbst vorgeschlagen hatte.

Neun Monate ist es zudem her, dass Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssenkrupp beschlossen hat, sein altes Stammgeschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Konkurrenten Tata Steel auszulagern. Deshalb soll nun auch die im vergangen Jahr angekündigte Aufspaltung des Konzerns abgesagt werden, wie Thyssenkrupp am Freitag in Essen ankündigte. Dem Vernehmen nach wird in Kreisen der Arbeitnehmerseite ein möglicher Börsengang der Aufzugssparte nicht grundsätzlich abgelehnt. Dazu gehört auch der Abbau von 6000 Stellen, zwei Drittel davon in Deutschland. Das sei diesmal "ein schwieriger Prozess". Da es sich um "tiefgreifende Einschnitte" handele, könnten betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen werden, sagte Personalvorstand Oliver Burkhard.

Für die rund 27.000 Stahlarbeiter von Thyssenkrupp sei das Veto der EU-Kommission "ein harter Schlag", sagte Kerkhoff. Beide Unternehmen wollen nicht nachbessern, weil sonst angestrebte Synergieeffekte gemindert würden. Performance sei das oberste Ziel.Am Freitagnachmittag gewannen thyssenkrupp-Titel im XETRA-Handel 17,80 Prozent auf 13,24 Euro.

Per April werden die Stahlaktivitäten damit wieder in den Konzern eingegliedert.

Als Begründung führt thyssenkrupp an, dass die geplante Fusion ihres Stahl-Geschäftes mit Tata scheitern wird. Wettbewerbsfähige Stahlpreise seien für die europäische Wirtschaft von entscheidender Bedeutung.

Bedenken aus Brüssel gab es etwa bei Stahl für die Automobilindustrie und bei Verpackungsstahl, der auch für Konservendosen benutzt wird. Dadurch dass die Fusion nun nicht zustande komme, sei wiederum eine "Neubewertung" der strategischen Optionen nötig geworden, erklärte Thyssenkrupp. Geplant war, zwei "fokussiertere und leistungsfähigere Unternehmen" zu schaffen. Wenn in Zukunft Unternehmen von Thyssenkrupp verkauft oder verselbständigt werden sollen, müsse in jedem Fall zunächst eine "Fair-Owner-Vereinbarung" ("fairer Eigentümer") mit der IG Metall getroffen werden. Zuvor war Thyssenkrupp unter wachsenden Druck der Aktionäre geraten, beim Umbau des Konzerns aufs Tempo zu drücken. Die Lage der Branche sei aktuell schlecht, sagt Kerkhoff. Damit werde nicht mehr gerechnet.

Die Börse hingegen reagiert bereits: Die Thyssenkrupp-Aktie steigt zwischenzeitlich um mehr als zehn Prozent. Auch unter den verschärften Rahmenbedingungen hätten Kerkhoff und die Arbeitnehmer Handlungsfähigkeit bewiesen. "Wenn das in Partnerschaften besser geht, sind wir für solche Lösungen offen", sagte Konzernchef Guido Kerkhoff in einer Telefonpressekonferenz. "Gleichzeitig bauen wir ein grundlegend neues Thyssenkrupp".

Bei dem Managertreffen gab der Strategie-, Finanz- und Investitionsausschuss des Aufsichtsrats einstimmig grünes Licht für die Pläne von Vorstandschef Kerkhoff, wie Thyssenkrupp mitteilte. "Unser Anspruch ist es wie bisher, diese Veränderungen mit unseren Mitarbeitern zu gestalten und nicht gegen sie", sagte der Vorstandschef. Es sei Zeit für einen "neuen disruptiven Ansatz", so Kerkhoff. thyssenkrupp will sein lukrativstes Geschäft, die Aufzugssparte an die Börse bringen, um seine Eigenkapitalbasis substanziell zu stärken. "Dies betrifft alle Bereiche des Konzerns", erklärte Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen.

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