Merkel über Europawahl - "Das ist für meine Partei auch eine Herausforderung"

Bild zu Abschlusskundgebung zur Europawahl

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung hatte vor wenigen Tagen in einem Interview Juden davon abgeraten, sich überall in Deutschland mit der traditionellen Kopfbedeckung Kippa zu zeigen. In einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN würdigte Merkel den Wahlerfolg der Grünen - und räumte ein, dass die Union beim Thema Klima noch Nachholbedarf habe. Es gebe viel zu tun, um sich gegen die dunklen Kräfte in Europa und in anderen Teilen der Welt zu stellen. Moderatorin Christiane Amanpour konfrontierte Merkel mit der Sicht ihrer Kritiker, die ihr vorwerfen, dass unter anderem durch ihre Flüchtlingspolitik Nationalisten, Populisten und Antisemiten an Einfluss und Sichtbarkeit gewonnen hätten.

Außerdem sei es wichtig, den jungen Menschen von der deutschen Geschichte und der Bedeutung der Demokratie zu erzählen.

Die Kanzlerin ist nicht dafür bekannt, dass sie ihre Politik gern erklärt, gerade ausländischen Medien gibt sie nur selten Interviews. Merkel weiter: "Das muss von Generation zu Generation wieder geleistet werden".

Merkel begründete gegenüber CNN das gute Abschneiden der Grünen bei der Europawahl mit den Themen, die die Menschen im Augenblick sehr bewegen. "Aber sie muss gemacht werden".

Amanpour fragt Merkel auch nach dem Ausgang der Europawahl - im Video.

Für ihre Partei sei dies "natürlich dann auch Aufforderung, noch bessere Antworten auf diese Fragen zu finden und vor allen Dingen zu sagen, dass wir uns den Zielen, die wir uns selbst gesetzt haben, auch verpflichtet fühlen".

Dass es zu dem Interview kam, ist für Christiane Amanpour in mehrfacher Hinsicht ein Erfolg.

Amanpour ist eine erklärte Bewunderin der Kanzlerin. Sie fühle sich geehrt, über eine Frau sprechen zu dürfen, "die ich so sehr bewundere, in einem Land, das ich so sehr bewundere", sagte Amanpour damals.

Merkel äußerte sich in dem Interview ebenfalls zu den Ergebnissen der Europawahl.

Das Interview zeigt ein weiteres Mal, dass Merkel sich mit den Niederungen der Parteipolitik kaum noch beschäftigen muss: Aufgezeichnet wurde das Gespräch am Tag nach der Europawahl, die ihre Partei, die CDU, ziemlich erschüttert hat. In jedem Fall hat Merkel vorläufig Besseres vor, als Konferenzen vorzubereiten: Am Mittwoch reist sie in die USA. An der Elite-Universität Harvard im Bundesstaat Massachusetts hält sie am Donnerstag die Rede zum feierlichen Abschluss des akademischen Jahres. Ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump ist nicht geplant; Trump befindet sich derzeit auf Staatsbesuch in Japan.

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