"Deepfakes" fordern Facebook-Chef Mark Zuckerbergheraus — Manipulierte Instagram-Videos

Der Clip zeigt Zuckerberg, der mit der Kontrolle von Milliarden "gestohlener" Daten prahlt.

Zumindest das Zuckerberg-Video könnte indes wieder von Instagram verschwinden: Nach Angaben des Onlinedienstes The Verge hat der Fernsehsender CBSN, von dem die später manipulierten Aufnahmen stammen, Facebook aufgefordert, das Video wegen der unerlaubten Nutzung seines markenrechtlich geschützten Logos zu entfernen.

Facebook schränkt seinen Handlungsspielraum im Umgang mit gefälschten Informationen mit seinen internen Regeln selbst ein.

Es ist erst wenige Wochen her, als ein offensichtlich manipuliertes Video der amerikanischen Politikerin Nancy Pelosi im Internet für Aufsehen sorgte. In dem Clip, der Ende Mai auf Facebook auftauchte, wurde eine Rede der Sprecherin des amerikanischen Repräsentantenhauses so manipuliert, dass diese im Video betrunken wirkt.

Instagram erklärte, auch der Facebook-Chef werde keine Vorzugsbehandlung erfahren. "Man stelle sich das kurz vor: Jemand mit totaler Kontrolle über die gestohlenen Daten von Milliarden Menschen, alle ihre Geheimnisse und ihre Zukunftspläne". "Spectre hat mir gezeigt, dass derjenige, der die Daten kontrolliert, auch die Zukunft kontrolliert".

Doch diese Worte hat der Facebook-Chef so nie gesagt. Das Video ist ein sogenanntes Deepfake. Nur die Stimme ist erkennbar nicht die von Zuckerberg.

Verantwortlich für das Video sind die beiden Künstler Bill Posters und Daniel Howe, in Zusammenarbeit mit der Werbeagentur Canny.

Erstellt wurden sie mithilfe von maschinellem Lernen: Ein Algorithmus wurde zwölf bis 24 Stunden lang mit 20- bis 45-sekündigen Videos der Prominenten trainiert, wie die Canny-Gründer im Gespräch mit "Vice" sagten. Bei dem Video, das am Wochenende auf der Plattform Instagram hochgeladen wurde, handelt es sich um ein Deepfake. Es sei Teil einer Kunstinstallation namens Spectre, die am Sheffield Doc/Fest in Grossbritannien vom 6. bis 11. Juni ausgestellt ist. Man wolle mit diesen Fakevideos darauf hinweisen, wie Technologie gebraucht werden kann, um Daten zu manipulieren. Die Künstler haben zu diesem Zweck noch weitere Videos mit bekannten Persönlichkeiten manipuliert. Zu sehen sind etwa auch der amerikanische Reality-Star Kim Kardashian und der amerikanische Präsident Donald Trump.

Obwohl Facebook über das gefälschte Video Bescheid weiss, ist es nach wie vor auf Instagram zu finden.

Dass das Video nicht gelöscht wird, begründet Facebook wie bei Pelosis Fall mit dem Hinweis, dass das gefakte Video gegen keine Richtlinien von Facebook verstossen würde. Sie verminderten lediglich die Sichtbarkeit, damit es in den Newsfeeds weniger oft gesehen wird. Seine Aussagen sind damit also auch nicht echt. Wer die nicht kennt, fällt aber leicht auf das Video herein. Will das Unternehmen weiterhin seine Haltung verteidigen, muss es nun Wort halten.

Ob das Deepfake von Mark Zuckerberg aber noch lange im Netz zu sehen sein wird, ist fraglich. Denn das Deepfake-Video von Zuckerberg sieht aus wie eine News-Sendung von CBS, was es erschreckend echt aussehen lässt.

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