ROUNDUP: Bitcoin-Währung verursacht mehr Kohlendioxid als Jordanien

Die Digitalwährung Bitcoin verbraucht sehr viel Rechenleistung von Computern und damit Energie

In den vergangenen Jahren wurden die Aufgaben, um neue Blöcke zur Bitcoin-Blockchain hinzufügen zu können, immer komplexer: "Im Januar 2011 konnte ein Bitcoin-Schürfer mit einem aktuellen Grafikprozessor (zwei Gigahashs (GH)/s) damit rechnen, mehr als zwei Blöcke pro Tag zu finden", schreiben die Forscher. Laut Christian Stoll, einem Energieforscher an der Technischen Universität München, "treibt Kohle Bitcoin an".

Denn wenn eine Bitcoin-Überweisung ausgeführt und dokumentiert wird, muss eine Rechenaufgabe von einem beliebigen Computer im weltweiten Bitcoin-Netzwerk gelöst werden. Dies führt der Studie zufolge zu einem jährlichen Ausstoß von 22 bis 22,9 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2). Die Belohnung wird in regelmäßigen Abständen halbiert, bis die definierte Geldmenge von 21 Millionen Bitcoin erreicht ist. Es gab nur begrenzte Informationen über die eingesetzten Anlagen, ihren Standort und der Energie, mit der sie versorgt wurden.

Hier bleiben nur Schätzverfahren: Das Forscherteam zog unter anderem für Börsengänge eingereichte Unterlagen der Hardware-Hersteller Bitmain, Ebang und Canaan zu Rate, um Marktanteile zu ermitteln und so Rückschlüsse auf verwendete Hardware zu ziehen. Dabei ging auch der Verbrauch für Kühlung und Zusatzgeräte in die Berechnung ein. Um die Anteile der verschiedenen Miner-Typen zu ermitteln, analysierten die Wissenschaftler unter anderem die Verteilung im Slushpool, einem öffentlichen Zusammenschluss verschiedenster Bitcoin-Miner. Laut den Ergebnissen, die sich auf den Stand von November 2018 bezieht, lag der Stromverbrauch bei 45,8 Billionen Wattstunden Pro Jahr. Um diesen Bedarf zu decken, müssen mehr als fünf Großkraftwerke das ganze Jahr hindurch auf Volllast laufen. Seit 2016 ist der Energieverbrauch zudem relativ stetig angestiegen, von 345 Megawatt Ende 2016 bis auf 5.232 Megawatt Ende 2018, wie die Forscher ausrechneten. Um mittels des Stromverbrauchs jedoch einen exakten CO2-Fußabdruck bestimmen zu können, musste nun untersucht werden, in welchen Ländern die Schürfer zu finden sind.

Die Auswertung ergab: 68 Prozent der Rechenleistung im Bitcoin-Netzwerk konzentriert sich im asiatischen Raum - vor allem in China.

Insgesamt kommen die Forscher damit zu dem Ergebnis: Das Bitcoin-System verursacht zwischen 22 und 22,9 Megatonnen Kohlendioxid pro Jahr.

Weitere 17 Prozent der Rechenleistung der Bitcoin-Miner liegen in Europa, 15 Prozent in Nordamerika, wie Stoll und sein Team berichten. Ursache für die schlechte CO2-Bilanz von Bitcoins ist deren Herstellung, das sog. Der Ausstoß liege damit zwischen dem von Jordanien und Sri Lanka oder etwa einer Großstadt in einem hochentwickelten Industrieland wie etwa Hamburg. Die Wissenschaftler plädieren dafür, die Mining-Anlagen von Bitcoin und anderen Kryptowährungen in Zukunft noch stärker dorthin zu verlegen, wo genügend Strom aus erneuerbaren Energien zur Verfügung steht.

"Der CO2-Fußabdruck ist so groß, dass er Anlass genug bietet, um über die Regulierung von Krypto-Mining an Standorten mit CO2-intensiver Stromproduktion zu diskutieren", sagt Christian Stoll.

Schon jetzt gibt es Bitcoin-Miner, die beispielsweise bewusst auf "grünen" Strom aus Wasserkraft oder Windenergie setzen.

Related:

Comments

Latest news

Tesla-Chef Musk verspricht ein Quartal der Rekorde
Euphorische Ankündigungen von Elon Musk haben der Tesla- (WKN: A1CX3T / ISIN: US88160R1014)-Aktie neuen Auftrieb verliehen. In diesem Jahr will Tesla nach früheren Prognosen des Unternehmens 360.000 bis 400.000 Fahrzeuge absetzen.

Kurz nach Geburt: Amy Schumer steht zu ihrer Krankenhausunterwäsche
Auf einem schiebt sie einen Kinderwagen über einen Feldweg, auf dem anderen liegt sie mit Söhnchen Gene im Arm auf dem Bett. Jetzt lüftet sie mitten auf der Straße in New York ihre Klamotten und gewährt einen Blick auf ihre Kaiserschnittnarbe.

"Deepfakes" fordern Facebook-Chef Mark Zuckerbergheraus — Manipulierte Instagram-Videos
Verantwortlich für das Video sind die beiden Künstler Bill Posters und Daniel Howe, in Zusammenarbeit mit der Werbeagentur Canny. Facebook schränkt seinen Handlungsspielraum im Umgang mit gefälschten Informationen mit seinen internen Regeln selbst ein.

Trump verunglimpft möglichen Herausforderer Biden als "Dummkopf" - Ausland
Viele Parteianhänger sehnen sich nach einer klaren linksliberalen Linie, nicht nach Versöhnung und einer vagen Politik der Mitte. Trump selbst erklärte, kein anderer Präsident habe härter "für den amerikanischen Bauern" gekämpft als er.

"Prinz der Wale": Trump erntet Spott für Schreibfehler
Richtig heißt es nämlich "Prince of Wales" ("Prinz von Wales") - gemeint ist damit Prinz Charles . Trump war Anfang Juni zu Gast in Großbritannien und traf utner anderem auch Prinz Charles.

Other news