Massendemo in Hongkong:Zwei Millionen Menschen protestieren

Unter Druck Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam

Es habe von Lam keine Entschuldigung für die Polizeigewalt gegeben, kritisierte die Protestbewegung. Weshalb gehen sie auf die Straße? Und das reicht ihnen jetzt nicht mehr: Die Demonstranten forderten Regierungschefin Carrie Lam zum Rücktritt auf. Sie demonstrieren gegen das umstrittene Auslieferungsgesetz mit China.

Danach kam es am Mittwoch zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten.

Am Sonntag waren mehr als eine Million Menschen aus Protest gegen die Regierung auf die Straße gegangen.

Es sind damit die größten Demonstrationen in Hongkong seit dem Protest gegen die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking vor drei Jahrzehnten am 4. Juni 1989. Der 35-jährige Mann war lokalen Medien zufolge auf ein Baugerüst an einem Einkaufszentrum geklettert, wo er zunächst ein Protestbanner gegen das Gesetz und Regierungschefin Lam anbrachte. "Aufrichtig und demütig" wolle sie Kritik annehmen und Verbesserungen im Dienste der Öffentlichkeit erzielen, hatte sie sich am Sonntag entschuldigt. Die Protestierenden weigerten sich, einem Aufruf der Polizei zu folgen und die Strassen zu räumen.

Die heute 62-Jährige ist seit Juli 2017 im Amt.

Die chinesische Regierung begrüßte die Aussetzung des Gesetzes. Den Amtseid nahm ihr Chinas Präsident Xi Jinping ab.

Bereits am Samstag hatte die pekingtreue Regierung einen Schritt zurück gemacht. Nach schweren Protesten in den vergangenen Tagen hatte Lam am Samstag angekündigt, Beratungen über das Gesetz vorerst auf Eis zu legen. Eine Entschuldigung von Lam für ihren Umgang mit dem Gesetzentwurf hatten sie abgelehnt. Außerdem müsse in der Stadt wieder Ruhe herrschen. Es hätte Hongkongs Behörden erlaubt, von China verdächtigte Personen an die Volksrepublik auszuliefern. Kritiker warnen, dies öffne auch politischer Verfolgung Tür und Tor. Dabei drohten Folter und Misshandlungen.

"Diese Gesetzesvorlage wird Auswirkungen auf Hongkongs Zukunft haben, und ich bin erst 19 Jahre alt", sagte Demonstrantin Christy Cheng.

Am Sonntag trugen viele der Demonstranten schwarze T-Shirts. Auch müsse sie das umstrittene Gesetzesvorhaben, das Auslieferungen an das chinesische Festland vorsieht, "vollständig zurückziehen".

Nachdem er mehrere Stunden auf dem Gerüst ausgeharrt hatte, kletterte er über die Brüstung und stürzte in die Tiefe. Zuvor versuchten Rettungskräfte den 35-Jährigen zu überzeugen herunterzuklettern. Auf Fotos ist ein gelbes Luftkissen zu sehen, das die Feuerwehr vor dem Gerüst entfaltet hatte.

► Der Protestveranstalter Civil Human Rights Front teilte mit, die Kundgebung sei erforderlich, weil die Regierung ihre Pläne für das Gesetz nicht komplett gestoppt habe. Es seien jedoch weitere Beratungen notwendig. "Wir haben nicht die Absicht, eine Frist für diese Arbeit festzulegen", sagte sie.

Lam argumentierte bislang, das Gesetz sei notwendig, um "Schlupflöcher" zu schließen. Das Gesetz würde Überstellungen mutmaßlicher Straftäter an China und andere Länder ermöglichen, mit denen Hongkong bisher kein Auslieferungsabkommen hat.

Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe an China 1997 nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" als autonomes Territorium regiert.

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