Boris Johnson bleibt weiter Favorit auf May-Nachfolge

Boris Johnson bleibt TV-Debatte um Tory-Führerschaft fern

Legende: Aussenseiterchancen hat Entwicklungshilfeminister Rory Stewart. An der 90-minütigen Diskussionsrunde im Sender Channel 4 nahmen damit am Sonntagabend fünf der sechs Kandidaten auf die Nachfolge von Premierministerin Theresa May teil.

Im Wettstreit um das Amt des Tory-Parteichefs und künftigen britischen Premierministers filtern die konservativen Abgeordneten am Mittwoch einen weiteren Bewerber aus. Mit einem Ergebnis wird um 19:00 Uhr gerechnet. Umfragen zufolge ist Johnson an der Basis unangefochtener Spitzenreiter. Er bekam bei der ersten Stimmabgabe 114 Stimmen, mehr als seine nächstplazierten Rivalen Jeremy Hunt (43), Michael Gove (37) und Dominic Raab (27) zusammen. Innenminister Sajid Javid überstand das Votum denkbar knapp. Die bislang Ausgeschiedenen Matt Hancock, Andrea Leadsom, Mark Harper und Esther McVey kamen gemeinsam auf 50 Stimmen.

Die meiste mediale Aufmerksamkeit hat in den vergangenen Tagen aber wahrscheinlich nicht Boris Johnson und seine Weigerung, nicht bei der ersten Fernsehdiskussion am Sonntag aufzutreten bekommen, sondern Rory Stewart. Die Kandidatur des Entwicklungshilfeministers wurde anfangs etwas belächelt und als aussichtslos angesehen. Vielmehr wolle er auf den von Theresa May ausgehandelten Vertrag setzen und, sollte dieser weiterhin im Unterhaus keine Mehrheit bekommen, Bürgerversammlungen über die Zukunft des Landes entscheiden lassen.

Doch vor diesen Gedankenspielen steht die Abstimmung am heutigen Nachmittag. Sollte es Boris Johnson gelingen, so viele Stimmen auf sich zu vereinen, dass sämtliche seiner Konkurrenten unter 33 Stimmen blieben, wäre das Auswahlverfahren tatsächlich schon an diesem Dienstag zu Ende, denn er wäre der Einzige, der noch übrig bliebe. Boris Johnson dagegen gilt als deren Liebling. Geplant ist eine weitere Runde am morgigen Mittwoch, sowie zwei Runden am Donnerstag, sollten sie notwendig sein. Spätestens am Abend sollen dann die zwei Kandidaten für die Stichwahl feststehen.

Angesichts aktueller Umfrageergebnisse hätte allerdings wohl kaum einer der noch im Rennen befindlichen Kandidaten eine Chance gegen Johnson im Mitgliederentscheid. Den Sieger bestimmen alsdann per Briefwahl die 160'000 Mitglieder der Konservativen. Ex-Brexit-Minister Dominic Raab verfehlte dagegen die Hürde von 33 Stimmen.

Gove, Hunt und Javid könnten sich zwar eine weitere Verzögerung des Austritts vorstellen, wollen aber andererseits auch einen No-Deal-Exit nicht ausschliessen. Johnson will das drei Mal im Parlament gescheiterte Brexit-Abkommen nachverhandeln, obwohl die EU das bereits mehrfach abgelehnt hat. Nach den britischen Gepflogenheiten wird der Vorsitzende der Regierungspartei automatisch auch Premierminister. Wie sehr das Thema das Wollen der Parteimitglieder bestimmt, zeigt noch eine andere Zahl. Er gilt als Gewinner, der sich sowohl gegen den Chef der neuen Brexit-Partei, Nigel Farage, als auch gegen Labour-Chef Jeremy Corbyn bei einer Parlamentswahl durchsetzen könnte.

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