Studie: 800 Kliniken sollen weg:Patientenschützer warnen vor Schließungen

Notfall im Krankenhaus. Kleine Kliniken sind dafür oft schlecht gerüstet

Gütersloh/Cottbus. Geht es nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung müsste jede zweite Klinik in Deutschland zumachen.

Die Krankenhausgesellschaft widerspricht der Einschätzung der Studie, wonach durch eine Bündelung von Kliniken, Personal und medizinischen Geräten eine qualitativ bessere Versorgung erreicht werden könne.

Was ist da dran?

Dass viele Krankenhäuser in Deutschland defizitär arbeiten, ist nicht neu. BILD beantwortet die wichtigsten Fragen.

"Nur Kliniken mit größeren Fachabteilungen und mehr Patienten haben genügend Erfahrung für eine sichere Behandlung", erklären die Autoren der Studie.

GÜTERSLOH. Eine bessere Versorgung ist nur mit weniger Kliniken möglich. Mit deutlich weniger Krankenhäusern wären die Patienten besser versorgt. Das führe zu niedrigen Behandlungszahlen und in der Folge zu einer unzureichenden Behandlungsqualität wegen fehlender Erfahrung der Ärzte.

Über eine Verringerung der Zahl der Krankenhäuser wird in Deutschland seit Langem diskutiert.

Es sei auch Teil der Wahrheit, dass die Qualität der medizinischen Versorgung nicht gehalten werden könne, wenn das Fachpersonal nicht zur Verfügung stehe, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, erinnerte daran, dass die von der Bundesregierung eingesetzte "Kommission gleichwertige Lebensverhältnisse" jüngst die Bedeutung "einer gut erreichbaren, wohnortnahen Gesundheitsinfrastruktur" hervorgehoben habe. Hätten sich zu viele Krankenhäuser auf das selbe Spezialgebiet konzentriert, müsse ein Überangebot ebenfalls reduziert werden.

Die Krankenhaus-Studie der Gütersloher Bertelsmann-Stiftung hat massive Kritik ausgelöst. Krankenhäuser müssten die notwendige Spezialisierung und die Breite des medizinischen Spektrums mit ausreichend Personal abbilden können. Kleine Kliniken hätten dagegen häufig nicht die nötige Ausstattung und Erfahrung, um lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall angemessen zu behandeln.

In Ballungsgebieten mit erhöhter Krankenhausdichte könne es durchaus sinnvoll sein, dass Ärzte und Pflegepersonal in größeren Strukturen Patienten behandeln.

Er erinnerte gleichzeitig daran, dass sehr viele Menschen aus dem Umland nach Köln kämen, um sich dort in Spezialkliniken behandeln zu lassen - in manchen Krankenhäusern handele es sich um die Hälfte aller Patienten. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund betonte: "Versorgungsprobleme werden nicht dadurch gelöst, dass pauschal regionale, leicht zugängliche Versorgungskapazitäten ausgedünnt werden".

"Wer Krankenhäuser schließen möchte, muss die gesamte medizinische Versorgungsrealität einbeziehen", sagte Heidrun Gitter, Präsidentin der Ärztekammer Bremen. Entsprechend müsse die Politik auch Krankenhäuser für die Erbringung ambulanter Leistungen zulassen, fordert die DKG. Kliniken würden ihre Intensivstationen bei Rettungsleitstellen abmelden - auch wegen personeller Engpässe. "Mit dem Krankenhausstrukturfonds werden die Zusammenlegung und die Schließung von Krankenhäusern finanziell unterstützt".

So könne eine kleinere, schneller erreichbare Klinik vor Ort erste Hilfsmaßnahmen einleiten, Patienten stabilisieren, und dann etwa per Hubschrauber an die nächstgelegene Fachklink übergeben. "Viele Krankenhäuser bei uns im ländlichen Raum sind absolut versorgungsnotwendig", sagt er.

Kritik kommt auch von Ärzte- und Patientenvertretern. Neben Versorgungskrankenhäusern mit durchschnittlich gut 600 Betten soll es etwa 50 Unikliniken und andere Maximalversorger mit im Schnitt 1.300 Betten geben. Eine bessere Versorgung durch weniger Kliniken - dieses Ergebnis der Studie treffe auf MV nicht zu, erklärte der Chef der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, Hanns-Diethard Voigt, gegenüber dem NDR. "Für die im Gutachten vorgeschlagene Reduzierung der Anzahl der Krankenhäuser in der Region Köln/Leverkusen von 45 auf 12 oder 14 Standorte sind erhebliche Investitionen notwendig, die an keiner Stelle erwähnt oder beziffert werden".

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