RTL-Reporter erfand mehr für "Punkt 12" als bisher bekannt

Bei einer Pressekonferenz filmt eine Kamera auf der ein Mikrofon von RTL steckt

Nach der Aufdeckung eines Manipulationsfalls im eigenen Haus hat RTL Details über eine Untersuchung des Vorfalls bekannt gegeben.

Sechs Wochen nach Bekanntwerden von Manipulationen eines Reporters von RTL Nord hat der Sender nun Bilanz gezogen. Von sieben Beiträgen war damals die Rede, der Sender trennte sich daraufhin von dem Mann und leitete umfassende Untersuchungen ein.

Wie der Sender am Mittwoch in Köln berichtete, hatte er im Juni sofort "eine umfängliche Verifizierung aller Beiträge des ehemaligen Mitarbeiters" eingeleitet. Demnach habe das sechsköpfige Überprüfungsteam bei der Sichtung der 104 Reportagen bislang 14 weitere Manipulationsfälle aufgedeckt. Zusätzlich wurden auch die Abnahmeverfahren für Beiträge noch einmal intensiv überprüft.

Außerdem gibt es gegen den Mann weitere Verdachtsmomente, "die noch nicht abschließend verifiziert werden konnten", heißt es vom Sender. Laut Senderangaben habe der Reporter über einen Zeitraum von knapp zehn Jahren sowohl die eigene Redaktion als auch die Zuschauer immer wieder systematisch und vorsätzlich getäuscht. So täuschte der Mann bei Selbstversuchen mehrmals bei der angeblichen Dauer seiner Experimente. Und in der Reportage "Scharf extrem" vor knapp zwei Monaten gaukelte er vor, einen Monat lang scharf gegessen zu haben. Dann überredete er öfters Menschen dazu, Dinge zu behaupten, die sie so niemals erlebt haben oder sagte ihnen, sie sollten nur Geschichten nacherzählen, die ihm Protagonisten, die nicht gefilmt werden wollten, berichtet hatten. Meistens wurde verdeckt gedreht. In neun Fällen wies RTL dem Reporter nach, dass er auf Alibi-Protagonisten zurückgegriffen hat. In einem Beitrag über Einbrecher-Tricks setzte er eine Praktikantin ein, die sich als Einbruchsopfer ausgab und vorgegebene Statements abgab. Darüber hinaus nutzte der Reporter häufig Archivbilder, um seine Thesen zu untermauern. Dies kennzeichnete er jedoch nicht, sondern suggerierte mehrmals, dass er die Bilder frisch gedreht habe.

RTL-Chefredakteur Michael Wulf reagierte bestürzt: "Wir sind erschrocken, dass trotz unserer umfangreichen Kontrollmechanismen ein Mitarbeiter über Jahre hinweg vorsätzlich täuschen und manipulieren konnte". Aus diesem Grund habe man gemeinsam mit dem Qualitätsmanagement die Abnahmeverfahren "deutlich ausgebaut". Ein Team von wechselnden Mitarbeitern wird künftig zusätzlich zu den sendungsverantwortlichen CvDs regelmäßig und stichprobenartig Beiträge überprüfen und dazu auch das Rohmaterial sichten. Zu den bereits eingeleiteten Maßnahmen des Qualitätsmanagements gehöre auch, dass Mitarbeiter in einem neuen Postfach anonym Hinweise auf Unregelmäßigkeiten geben könnten. Die Chefredaktion und das Qualitätsmanagement werden noch mehr Podiumsdiskussionen zu Fragen der Qualitätsoptimierung der journalistischen Arbeit und interner Arbeitsprozesse abhalten.

Related:

Comments

Latest news

Alleinerziehende sehr gefährdet:Bremer sind am meisten von Armut bedroht
Bremen bleibt trauriger Spitzenreiter: In 2018 waren im Stadtstaat 22,7 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. Das zeigen die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts , die das Amt am Donnerstag veröffentlicht hat.

Gießen: Hunderte Hühner sterben Hitze-Tod auf A5
Die Bilanz des Einsatzes ist eine traurige: In Waldsolms zählten die Polizei und Veterinärmedizinerin rund 500 tote Hühner. Polizei und Veterinäramt ermitteln derzeit zudem gegen die weiteren an dem Transport beteiligten Personen.

Versöhnlich Wesley Snipes: Alles ist gut
Der äußerte sich schon in der Vergangenheit das eine oder andere Mal zu diesem Part und gelegentlich gab es einen Funken Hoffnung. Inshallah, [ich hoffe] wir arbeiten eines Tages zusammen. "Ich bin dankbar für diese niemals endende Unterstützung".

Familientherapeut Juul ist tot
Juuls Prinzipien waren Dialog statt Strafe, Einbeziehung statt Machtausübung sowie Interesse am Kind statt Kontrolle. Das vermeldet das von ihm gegründete Elternberatungsprojekt Familylab unter Berufung auf dessen Sohn Nicolai Juul.

Popstar mit Vergangenheit: "Vox Lux": Drama mit Natalie Portman und Jude Law
Für die Plattenaufnahme muss sie nur ein "Ich" gegen ein "Wir" austauschen, und schon hat sie ihren ersten Hit. Regie-Debütant Brady Corbet (30, "24", "Thunderbirds") steht schon seit Kindesbeinen vor der Kamera.

Other news