Unter der Armutsschwelle: Jede zweite Rente liegt unter 900 Euro

Eine ältere Frau mit Rollator aufgenommen im Stadtzentrum von Niesky

Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann hervor, die AFP am Freitag vorlag. Die genannten Rentendaten beziehen sich auf die Rentenzahlbeträge, also auf den Betrag der Rente nach dem Abzug von Sozialbeiträgen und vor dem Abzug von Steuern.

Die Linken-Abgeordnete Zimmermann, die die Anfrage gestellt hatte, bezeichnete die gesetzliche Rente als nicht mehr armutsfest. Denn trotz Rentenzahlungen, kommen sie nicht über die Runden.

Die Bundesregierung verweist in ihrem Schreiben darauf, dass allein aus der Höhe einer Altersrente in der gesetzlichen Rentenversicherung grundsätzlich nicht auf Bedürftigkeit in der Grundsicherung im Alter geschlossen werden könne - eben weil dabei mögliche zusätzliche Einkommensquellen und die konkrete Haushaltssituation nicht berücksichtigt seien.

Die Altersrente liegt bei einem Großteil der Bevölkerung unter 1000 Euro netto, mehr als die Hälfte muss mit noch weniger auskommen. Zum anderen wird der Durchschnitt der Zahlungen stark gesenkt durch Beamte oder Selbständige, die nur kurz in die Rentenkasse eingezahlt haben. Verglichen mit der Gesamtbevölkerung sei das Armutsrisiko von Rentnern nicht wesentlich höher. Alleinstehende Männer kamen auf netto 1593 Euro (Ost: 1389), alleinstehende Frauen auf 1422 Euro (Ost: 1370).

Nach Angaben der Bundesregierung bekamen 51,4 Prozent der Altersrentner im Jahr 2018 weniger als 900 Euro - mehr als 9,3 Millionen Menschen. Die SPD will mit der Grundrente Abhilfe schaffen. Niedrige Löhne zögen niedrige Renten nach sich. Für Selbständige ist die Armutsgefahr mit 4 Prozent deutlich größer.

Der CDU-Sozialflügel pocht derweil auf eine verpflichtende Betriebsrente. Der Chef oder Christlich-Demokratischen Arbeitnehmergemeinschaft, Karl-Joseph Laumann, sagte der "Rheinischen Post", das Modell der Riester-Rente sei in eine Sackgasse geraten. "Ich bin der Meinung, dass wir bei der privaten Vorsorge ein Obligatorium brauchen".

In Unternehmen ohne Tarifverträge gebe es auch so gut wie keine Betriebsrenten, sagte der nordrhein-westfälische Sozialminister. "Das kann nicht so bleiben". Ausgerechnet diejenigen Arbeitnehmer seien am schlechtesten abgesichert, die es am nötigsten hätten.

Auch Menschen mit kleinen Löhnen brauchen eine Betriebsrente.

Arbeitgeber könnten verpflichtet werden, für Mitarbeiter, die monatlich bis zu 2.200 Euro verdienen, bis zu 480 Euro pro Monat als Zuschuss zu deren Betriebsrenten zu zahlen. "Da weiß man, wo das Problem liegt", sagte Laumann.

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