Apple stoppt Auswertungen von Siri-Aufzeichnungen

Apples Spracherkennung Siri steht wegen Datenschutzbedenken in der Kritik

Erst Google, jetzt Apple: Auch Siri-Aufnahmen werden in Zukunft nicht mehr von Menschen angehört und ausgewertet. Der Konzern reagierte damit auf Kritik von Datenschützern, die die auch bei Amazon und Google gängige Praxis seit längerem scharf kritisieren.

Doch zumindest für europäische Google Assistant-Nutzer hat das vorerst ein Ende, denn in den kommenden drei Monaten wird Google keine Sprachaufnahmen mehr von den Mitarbeitern auswerten lassen. Bis dahin werde die Praxis weltweit gestoppt und auf den Prüfstand gestellt.

Um die Software von Sprachassistenten zu verbessern, werden Teile von Mitschnitten von Menschen abgetippt und ausgewertet.

Die Anbieter betonen, dass die Aufnahmen anonymisiert werden. Vielen Nutzern war die Praxis allerdings weitestgehend nicht bewusst, bis vor einigen Monaten erste Medienberichte dazu auftauchten. Apple verwies zwar schon länger in einem Sicherheitsdokument darauf, dass auch "eine geringe Anzahl von Transkriptionen" für die Verbesserung des Dienstes eingesetzt werden könne. Nach dem Papier im Bereich für Entwickler musste man allerdings suchen - und die Nutzer werden bei der Einrichtung von Siri bisher nicht explizit auf diese Möglichkeit hingewiesen.

Vor ein paar Tagen wurde durch einen Bericht des Guardian bekannt, dass über Siri-Aufnahmen zum Teil sehr private Dinge von Apple-Mitarbeitern angehört würden.

Erst am Donnerstag war bekannt geworden, dass Google nach einem ähnlichen Bericht über seinen Assistenten bereits Anfang Juli das Anhören der Mitschnitte durch Menschen in der EU ausgesetzt hat. Laut Google-Angaben, so schreibt es die Behörde, bezieht sich der Stopp der Gesprächskontrolle auf die gesamte EU, nicht nur auf Deutschland.

Caspar leitete ein Verwaltungsverfahren gegen Google ein, um das Anhören der Mitschnitte durch Google-Mitarbeiter oder Dienstleister zu untersagen. Der Datenschützer will es Google verbieten, entsprechende Auswertungen durch Angestellte oder Dritte innerhalb der nächsten drei Monaten vorzunehmen. Der Hamburger Datenschützer ist für Google zuständig, weil das Unternehmen hier seine deutsche Niederlassung hat. Sie rief die für andere Anbieter wie Amazon und Apple zuständigen Behörden auf, ähnliche Verfahren einzuleiten.

Caspar verwies speziell auf die vor einigen Wochen bekanntgewordenen Mitschnitte von Google-Home-Aufnahmen aus den Niederlanden. Laut Caspar konnten aus den aufgezeichneten Gesprächen allerdings Rückschlüsse auf die Privat- und Intimsphäre der Betroffenen gezogen werden. Zudem seien die Aufnahmen teilweise auch wegen fehlerhafter Aktivierung gestartet worden. "Dies gilt nicht nur für Personen, die einen Sprachassistenten betreiben, sondern für alle, die damit in Kontakt kommen, etwa wenn sie in einem Haushalt leben, in dem Geräte verwendet werden, auf denen zum Beispiel Google Assistant installiert ist".

Caspar erklärte, er habe "erhebliche Zweifel", dass der Einsatz des Assistants von Google die Vorgaben der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) erfülle.

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