Mehrheit der britischen Regierung im Parlament schmilzt auf eine Stimme

Neuer britischer Premier mit nun noch dünnerer Mehrheit Boris Johnson

Die Liberaldemokratin Jane Dodds gewann die Nachwahl und schlug den Kandidaten der Konservativen, Chris Davies.

Der bisher von den Tories gehaltene Sitz für die Grafschaft Brecon und Radnorshire im Osten von Wales fiel nach Angaben der Agentur PA vom frühen Freitag an die europafreundlichen Liberaldemokraten.

Die Grünen und die walisische Plaid-Cymru-Partei entschlossen sich dazu, nicht anzutreten - um die Anti-Brexit-Stimmen nicht aufzuteilen. Dodds galt als Favoritin.

Dodds erklärte kurz nach Bekanntgabe des Wahlresultats: "Als erste Tat in Westminster werde ich Boris Johnson aufsuchen, wo auch immer er sich versteckt, und ihm laut und deutlich sagen: 'Hör auf mit unserer Zukunft zu spielen und schließ einen No-Deal-Brexit aus!'"

Für Johnson war die Nachwahl der erste Test nach seiner Amtseinführung in der vergangenen Woche. Damit reduziert sich die Regierungsmehrheit der Tories im Parlament in London auf einen Sitz, was Johnsons Brexit-Politik weiter erschweren wird.

Im Unterhaus haben die Konservativen und ihr Koalitionspartner DUP aus Nordirland jetzt nur noch 320 Sitze - alle Oppositionellen zusammen kommen auf 319 Abgeordnete. Allerdings war der Urnengang in Brecon and Radnorshire stark von der Kontroverse über den konservativen Kandidaten Davies geprägt: Der Abgeordnete hatte sein Mandat im Zuge eines Skandals um falsche Abrechnungen aufgeben müssen.

Boris Johnsons Partei, die konservativen Tories, haben am Donnerstag eine Nachwahl zum Unterhaus in einem Wahlkreis in Wales verloren. Zudem steige die Wahrscheinlichkeit von kurzfristig angesetzten Wahlen. Der neue Premierminister will den Brexit Ende Oktober durchziehen - notfalls auch ohne Scheidungsabkommen mit der EU. Er will das zwischen seiner Vorgängerin Theresa May und Brüssel vereinbarte Abkommen nachverhandeln. Das lehnt die Europäische Union aber strikt ab.

Auch bei den Briten stößt Johnson mit seinen Plänen inzwischen auf erheblichen Widerstand. So fürchten viele Landwirte in Wales etwa um EU-Fördergelder im Falle eines Brexits ohne Abkommen, mit dem Johnson der EU immer wieder droht.

Ein No-Deal-Brexit würde die Wirtschaft und andere Lebensbereiche schädigen. Dabei handelt es sich um jene Notlösung, mit der die offenen Grenzen zwischen Irland und Nordirland garantiert werden sollen, sollte es zu keiner Einigung zwischen der EU und Großbritannien kommen.

So soll verhindert werden, dass der alte Konflikt zwischen katholischen Befürwortern einer Vereinigung zwischen Nordirland und Irland und protestantischen Loyalisten wieder aufkocht.

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