Amazon lässt Alexa-Mitschnitte im Homeoffice auswerten - Wirtschaft

Als erster der drei Anbieter hat Amazon erweiterte Datenschutzeinstellungen eingeführt

Demnach werten die Polen die deutschen Sprachaufzeichnungen in Heimarbeit aus.

Das Homeoffice hört mit: Alexa-Sprachbefehle wurden nicht nur von Amazon-Mitarbeitern, sondern auch von Zeitarbeitern in Polen analysiert, schreibt "Welt am Sonntag". Damit sind persönliche Angaben der Nutzer natürlich auch in der privaten Umgebung der Auswerter hörbar, so die Welt.

Bislang hatte sich der Konzern stets darauf berufen, dass die Angestellten in besonders geschützten Büros unter strengen Zugriffsbeschränkungen arbeiten würden.

Die Leiharbeitsfirma Randstad habe die Heimarbeiter mit Deutschkenntnissen auf Muttersprachniveau für Amazon rekrutiert. Geschult wurden diese Mitarbeiter zwar in der Amazon-Niederlassung in Danzig. Ein polnischer Zeitarbeiter habe den Job gegenüber "WamS" jedoch als "ideale Hausfrauentätigkeit" beschrieben. Er arbeite ebenso wie viele seiner Kollegen vom Küchentisch aus. In den Aufzeichnungen seien mitunter auch Details wie Namen oder Ortsbezeichnungen zu hören. "Einigen Mitarbeitern ist es gestattet, von anderen Orten aus zu arbeiten", erklärte Amazon dazu. Es sei eindeutig festgelegt, "dass Mitarbeiter niemals an öffentlichen oder nicht-autorisierten Orten arbeiten dürfen". Nach einer Anfrage von "Welt am Sonntag" habe Randstad die entsprechenden Online-Stellenanzeigen gelöscht. Auf die Frage, ob Amazon das eigene Transkribier-Programm umstellen würde, lehnte der Konzern einen Kommentar zunächst ab.

In der Debatte um die Auswertung von Nutzerdaten aus Sprachassistenten ist Amazons Dienst Alexa in den Fokus geraten. Die Alexa-Software wird vor allem auf den Echo-Lautsprechern des Unternehmens genutzt.

Zuvor hatte bereits der US-Technologiekonzern Google die Auswertung von Aufzeichnungen seines digitalen Assistenten "Assistant" zumindest in Europa vorläufig eingestellt. Dabei soll auch geprüft werden, ob die Abhör-Arbeit überhaupt mit den Vorschriften der Datenschutzgrundverordnung zu vereinbaren ist. Das veranlasste den Hamburger Datenschützer Johannes Caspar, ein Verwaltungsverfahren gegen Google einzuleiten.

Auch Apple will die Auswertung von Aufzeichnungen seines Assistenten "Siri" aufgrund von Datenschutzbedenken vorerst aussetzen. Die Funktion solle in einem späteren Software-Update umgesetzt werden.

Zuvor war bekannt geworden, dass Siri-Mitarbeiter teilweise intime Einblicke in den Alltag der Nutzer bekommen hatten, da der Assistent das Kommando-Codewort "Hey Siri" gelegentlich falsch positiv erkennt und aufzeichnet, obwohl der Nutzer gar keine Befehle geben will.

Amazon lässt Menschen Sprachbefehle an Alexa abtippen, die von dem digitalen Assistenten nicht oder falsch verstanden wurden.

Dieser Text ist aus der WELT AM SONNTAG.

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