Neunjähriges Mädchen will sich in Berliner Staats- und Domchor klagen

Der Chor steht in einem hell illuminierten Kirchenraum

Berlin - Dürfen Mädchen im Knabenchor mitsingen?

Das Verwaltungsgericht Berlin beschäftigt sich in der kommenden Woche mit der Frage, ob der Berliner Staats- und Domchor in Zukunft weiter Frauen die Aufnahme in den Chor verweigern darf. Über den Fall hatte zuerst der RBB berichtet. Als die Mutter dann im November 2018 um die Aufnahme ihrer Tochter in den Berliner Staats- und Domchor bat, wurde sie abgewiesen.

Das Gericht teilte am Freitag mit, dass sich die Klage gegen die Universität der Künste (UdK) richtet. Die älteste musikalische Einrichtung der Hauptstadt wurde im Jahre 1465 unter Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg als "Singeknaben" gegründet. Das Mädchen hatte bis Januar 2018 im Kinderchor der Komischen Oper Berlin gesungen.

Daraufhin sei es im März 2019 zu einem individuellen Vorsingen der Neunjährigen gekommen. Bei einem Vorsingen wurde das Mädchen zuvor von einer Auswahlkommission abgelehnt. Auch fehle es an einer Grundlage für eine Ausbildung. Nicht zuletzt bestünden Zweifel an einer vertrauenvollen Zusammenarbeit mit den Eltern, was aber Grundlage für die persönliche Ausbildung einer Kinderstimme sei. Die Neunjährige meine, die Ablehnung verletze ihren Anspruch auf gleiche Teilhabe an staatlichen Leistungen und Förderung.

Die Mutter hingegen führt die Nichtaufnahme ihrer Tochter in den Chor auf eine Zugangsbeschränkung für Mädchen zurück. Sie wäre aufgenommen worden, wenn sich die Auswahlkommission von außergewöhnlicher Begabung, hoher Leistungsmotivation und entsprechender Kooperationsbereitschaft der Erziehungsberechtigten hätte überzeugen können und wenn die Stimme dem angestrebten Klangbild eines Knabenchores entsprochen hätte.

Aus Sicht des Chors geht die Ablehnung nicht hauptsächlich auf ihr Geschlecht zurück.

Das sei aber nicht der Fall. Anberaumt ist eine mündliche Verhandlung am nächsten Freitag. Zwischen Mädchen- und Bubenstimmen bestünden anatomische Unterschiede, was zu differenzierten Chorklangräumen führe. Die hierauf zurückzuführende häufigere Ablehnung von Mädchen sei durch die Kunstfreiheit gerechtfertigt.

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