Mutter will Aufnahme von Tochter in Knabenchor erzwingen

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Die Klage eines Mädchens auf Mitwirkung im Staats- und Domchor Berlin wurde vom Berliner Verwaltungsgericht abgewiesen.

Hat ein Mädchen einen Anspruch darauf, in einem Knabenchor mitzusingen?

Männerdomäne Knabenchor? Der Leipziger Thomanerchor singt bei einem Auftritt.

Vor Gericht gezogen war die Mutter des Mädchens - und gleichzeitig auch seine Anwältin weil sie das Recht ihrer Tochter auf Gleichberechtigung verletzt sah.Es gehe hier um einen Konflikt zwischen Gleichheit vor dem Gesetz und und Kunstfreiheit, fasste der Vorsitzende Richter nach rund drei Stunden den Konflikt zusammen.

Die Klägerin Susann Bräcklein, selbst Rechtsanwältin, bemühte das Grundgesetz und die Menschenrechte, auf Seiten der beklagten Universität der Künste (UdK), dem der Chor angegliedert ist, argumentierte Chorleiter Kai-Uwe Jirka dagegen mit der Kunstfreiheit und mit Details aus der komplizierten Welt der Musiktheorie. Das Mädchen hatte zuvor bereits im Kinderchor der Komischen Oper und später in der Domsingschule in Frankfurt/M. mitgewirkt. Nach einem persönlichen Gespräch und einem Vorsingen entschieden die Verantwortlichen: Das Mädchen habe eine gute Stimme, sie reiche aber nicht für den Staats- und Domchor, der so etwas wie die Elite unter den Berliner Kinder- und Jugendchören darstellt. Doch in seiner Entscheidung setzte das Gericht die Freiheit des Chores, sich seine Sänger selber auszusuchen vor das Verfassungsprinzip der Gleichheit der Geschlechter. Die Berliner Schülerin, die in dem auf Musik ausgerichteten Händel-Gymnasium in Berlin mit einer hohen Punktzahl aufgenommen worden war, hatte sich im November 2018 um einen Platz im Staats- und Domchor beworben.

Gegen diese Entscheidung klagte die Mutter namens ihrer Tochter mit dem Argument, die fachlich-musikalischen Gründe der Ablehnung seien lediglich vorgeschoben. Eine Mutter wehrt sich dagegen, dass ihre Tochter abgelehnt wurde. Als öffentliche Einrichtung sei der Staats- und Domchor zur Gleichbehandlung verpflichtet.

Als Beleg dafür, dass ihre Tochter wegen ihres Geschlechts abgelehnt wurde, verwies die Anwältin auf ein Schreiben der UdK, in der es hieß, die Aussicht, dass ihre Tochter im Chor aufgenommen werde, sei so groß, wie etwa die eines Klarinettisten, in einem Streichquartett zu spielen - nämlich null. Das Klangbild des Chors habe Vorrang. Deswegen habe er auch als Leiter das letzte Wort, sagte Jirka.

Der Fall hatte im Vorfeld bereits Diskussionen ausgelöst. Dem Mädchen fehlten die Voraussetzungen für den Knabenchor. Es ist ein reiner Knabenchor. Darüber verhandelt an diesem Freitag ab 10 Uhr das Berliner Verwaltungsgericht.

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