Infos für Verbraucher: Verbände stellen Umfrage zu Nährwert-Logos vor

Umfrage zu Nährwertkennzeichnung Ein Früchtemüsli ist mit dem Nutri Score und dem Logo Wegweiser Ernährung gekennzeichnet

Bundesagrarministerin Julia Klöckner will die Verbraucher entscheiden lassen, welche Nährwertkennzeichnung gewünscht ist.

Auch der Tiefkühlkost-Anbieter Bofrost, der für Bestellungen per Internet bereits den Nutri-Score der Produkte angibt, präsentierte Zahlen einer Befragung von rund 1000 Kunden. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Befragten bewerten den Nutri-Score in fast allen Kategorien besser: 60 Prozent der Befragten empfanden die Klöckner-Kennzeichnung "verwirrend", 65 Prozent nannten sie "kompliziert".

Den Angaben zufolge sprachen sich in der Umfrage vor allem jene Bevölkerungsgruppen für den Nutri-Score aus, die besonders stark von Fehlernährung betroffen sind.

Kurz bevor die Forsa-Umfrage vorgestellt wurde, äußerte ein Sprecher des Ministeriums vorsorglich Kritik: "Es ist erstaunlich, wie Fakten verdreht und Haltungen leichtfertig nach Belieben angepasst werden", heißt es etwa in Bezug auf die Bezeichnung "Klöckner-Modell".

Auch die Fragen, welche Kennzeichnung Verbrauchern als Entscheidungshilfe nutzen würden und welche es erleichtert, Produkte miteinander zu vergleichen, gehen klar zugunsten des Nutri-Score aus. Als "schnell erfassbar" bewerteten 87 Prozent der Befragten das System. Das Waben-Modell hat keine Anordnung in Ampel-Farben, weswegen es schwierig fallen kann, die wichtigen Nährstoffe auf den ersten Blick zu erkennen. Das Ergebnis wird Ende September erwartet.

"Das neue Kennzeichnungssystem muss gerade für die besonders von Fehlernährung und Übergewicht betroffenen Bevölkerungsgruppen verständlich sein", sagte Berthold Koletzko, Vorsitzender der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Diese umfasst neben dem Nutri-Score und dem "Wegweiser Ernährung" auch das in skandinavischen Ländern eingesetzte Schlüssellochzeichen, das einer reinen Positivkennzeichnung entspricht, sowie einen Entwurf der Lebensmittelwirtschaft mit farblich hervorgehobenen Kreisdiagrammen für die einzelnen Nährwerte. Negativ wirkt sich vor allem ein hoher Gehalt an Fett, Zucker oder Salz aus. Je günstiger sie ausfällt, desto mehr von fünf Flächen haben einen schwarzen Stern und sind blaugrün ausgefüllt.

Die Umfrage sollte Einschätzungen zu zwei Nährwert-Logos abfragen.

Bei dem in Frankreich entwickelten System erhält jedes Lebensmittel eine von fünf möglichen Farben - Rot, Gelb, Grün mit Zwischenstufen.

Die Verbraucherzentralen mahnten Transparenz bei den Untersuchungen des Ministeriums an. "Vor der Einführung die Verbraucher zu befragen, wie gut sie verschiedene Modelle der Kennzeichnung verstehen, ist sinnvoll, um die Akzeptanz zu fördern", sagte Anne Markwardt, Lebensmittel-Expertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), der Deutschen Presse-Agentur.

Laut einer von fooodwatch veröffentlichten Zusammenfassung der Forsa-Ergebnisse wurden vom 5. bis 15. Juli 1003, nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren in Deutschland online befragt. Die FDP warnte dagegen, Systeme wie Nutri-Score führten teils zu absurden Verzehrempfehlungen.

In der Debatte wird der Ton auch schon schärfer. Richtig sei vielmehr, dass das Max-Rubner-Institut ein eigenes Kennzeichnungsmodell entwickelt habe "unabhängig von inhaltlichen Vorgaben unseres Ministeriums".

Related:

Comments

Latest news

250-Millionen-Euro-Deal: Springer-Enkel verkaufen Aktien an US-Investor
Laut einem früheren Statement des Finanzinvestors erwarb KKR 27,8 Prozent der Anteile des Springer-Medienkonzerns (Stand vom 2. Mit ihren restlichen gehaltenen Aktien blieben sie weiterhin als unabhängige Aktionäre im Unternehmen.

Altmaier legt Papier zur kompletten Soli-Abschaffung vor
Die FDP würde die Sonderabgabe für den Aufbau der ostdeutschen Bundesländer sogar am liebsten noch in diesem Jahr abschaffen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte zuvor eine vollständige Abschaffung des Solis bis 2026 vorgeschlagen.

Israel - US-Abgeordnete Tlaib und Omar dürfen nicht einreisen
Es wäre ein Zeichen großer Schwäche, wenn Israel die beiden Kongressabgeordneten einreisen ließe, schrieb Trump zuvor auf Twitter. Ein erster Antrag Tlaibs und der ebenfalls muslimischen demokratischen Abgeordneten Ilhan Omar war gestern abgelehnt worden.

Mehrere Flüchtlinge können "Open Arms" verlassen
Der italienische Innenminister Matteo Salvini erwiderte, die " Open Arms " solle die Migranten an Bord nach Spanien bringen. Laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa handelte es sich um sechs Frauen und drei Männer aus Eritrea und Somalia.

Mann verletzt bei Schusswechsel sechs Polizisten
Sechs Polizisten kamen verletzt ins Krankenhaus, drei weitere verletzten sich, als sie vor dem Kugelhagel in Deckung gingen. Zwei Beamte, die sich während des Feuergefechts noch im Haus befanden, wurden von Einsatzkräften befreit.

Other news