Militär: Vor türkischer Offensive in Syrien: US-Truppen ziehen ab

Türkische und amerikanische Soldaten im nordsyrischen Grenzgebiet

Seit Monaten hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bereits gedroht, am Samstag war es dann so weit.

Syrien hat seinen Nachbarn Türkei vor einem Einmarsch gewarnt.

Die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini sagte: "Weitere bewaffnete Auseinandersetzungen werden nicht nur das Leiden der Zivilbevölkerung verschlimmern und zu massiven Vertreibungen führen, sondern auch die aktuellen politischen Bemühungen gefährden".

Doch die Militäroperation könnte Sicherheitsrisiken heraufbeschwören, auch für Europa. Deutsche Sicherheitsbeamte, US-Beobachter und kurdische Funktionäre sagen gleichermaßen, dass sich unter den türkischen Verbündeten zahlreiche Islamisten befinden. Jetzt verliert Erdogan offenbar die Geduld und plant den Alleingang. "Das kann nur erfolgen, wenn die Bedingungen für eine freiwillige und würdevolle Rückkehr gegeben sind".

Nach der Verlegung von US-Soldaten aus dem Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien hat die türkische Regierung erklärt, die Vorbereitungen für die angekündigte Militäroffensive in Nordsyrien seien abgeschlossen.

Das Weiße Haus hatte am Sonntagabend (Ortszeit) angekündigt, sich einer türkischen Offensive in Nordsyrien nicht in den Weg zu stellen.

Die US-Armee habe dortige Truppen der Terrormiliz IS geschlagen, die USA würden künftig nicht mehr in der unmittelbaren Region vertreten sein, hieß es weiter.

Die USA übergaben der Türkei laut Stellungnahme auch die Verantwortung für die in der Region inhaftierten IS-Kämpfer. Deutschland, Frankreich und andere europäische Länder, aus denen die IS-Anhänger stammten, hätten diese trotz des Drucks aus Washington nicht gewollt. Das bestätigte am Morgen der Sprecher der von Kurdenmilizen dominierten Syrisch-Demokratischen Kräfte (SDF). Der Schritt sorgte sowohl in den USA als auch international für Besorgnis. In diesem Jahr aber hat sich der türkische Staatschef endgültig mit Assads Schutzmächten Russland und Iran geeinigt - denn die Kurden stören die Pläne von vier Mächten gleichermaßen: Türkei, Syrien, Irak, Iran - jedes Land mit eigener kurdischer Minderheit. Der Kommunikationsdirektor des Präsidenten teilte mit, die Türkei könne "keine Minute" länger warten, um mit der "Antiterroroperation in Nordsyrien" zu beginnen.

Wann die türkische Offensive beginnt, bleibt zunächst offen. Seit Beginn des Bürgerkriegs sind rund 3,6 Millionen syrische Flüchtlinge in die Türkei geflohen. Wenn die militärische Offensive der Türkei eine neue Flüchlingsbewegung auslöst, könnten die Flüchtlingszahlen erst in der Türkei ansteigen. Erdogan geht es vor allem darum, die Kurden zu vertreiben und die demografischen Strukturen dort durch die Ansiedlung arabischer Syrer dauerhaft zu verändern. Eine von Erdogan gesetzte Frist für die Fertigstellung war Ende September verstrichen. Die iranischen Mullahs wiederum wollen einen schiitisch-kontrollierten Korridor von Teheran bis nach Israel. Ankara stuft die YPG-Miliz wegen ihrer Nähe zur kurdischen Arbeiterpartei (PKK) hingegen als "Terrororganisation" ein. Möglicherweise wird die Türkei bis dahin auf den Militäreinsatz verzichten.

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