"Amoklage" nach Schüssen in Halle - Zwei Todesopfer

Die Synagoge in Halle

Auch der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, beklagt fehlenden Polizeischutz. Die Bundesanwaltschaft sieht die Tat rechtsextremistisch und antisemitisch motiviert - auch das Bekennervideo sei eindeutig antisemitisch und rechtsextremistisch. Nach Einschätzung des Generalbundesanwalts gebe es ausreichend Anhaltspunkte für einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund.

Die Suchanfragen für Landsberg schießen nach mehreren Schüssen nach oben. Derzeit feiern Juden auf der ganzen Welt den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur.

Bei dem Angriff waren ein Mann und eine Frau erschossen und zwei weitere Menschen schwer verletzt worden. "Ich hoffe, die Polizei fasst den oder die Täter schnell, ohne dass weitere Menschen zu Schaden kommen".

Laut Sicherheitskreisen handelt es sich bei dem Täter um Stephan B. aus Sachsen-Anhalt.

Der festgenommene Verdächtige soll ein Mann aus Deutschland sein. Als Reaktion auf die Tat wurden inzwischen vor mehreren deutschen Synagogen die Sicherheitskräfte verstärkt. Der Beschuldigte Stephan B. war am Mittwoch vorläufig festgenommen worden. Die Sicherheitsbehörden vermuteten zunächst, dass der Täter vor seiner Festnahme Suizid begehen wollte. Der Täter kann jedoch sprechen und soll sich gegenüber den Ermittlern bereits zum Tatgeschehen eingelassen haben. Er gibt an, angeschossen worden zu sein. Auch aus diesem Video ergeben sich klare Hinweise auf ein antisemitisches und rechtsextremes Motiv.

Der Zeuge selbst habe sich nach eigenen Aussagen während der Tat in dem Imbiss befunden. Die Polizei hatte seit den Mittagsstunden alle verfügbaren Kräfte in Sachsen-Anhalt abgezogen und nach Halle verlegt.

Update 16.44 Uhr: Die Polizei in Bayern bereitet sich darauf vor, dass ein bewaffneter Gewalttäter von Halle auf seiner Flucht auch in den Freistaat kommen könnte. Sie rief die Menschen dazu auf, in ihren Wohnungen zu bleiben oder sichere Orte aufzusuchen. Der Stuttgarter Zeitung sagte Privorozki: "Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen". Bis in die Abendstunden durchsuchten bewaffnete Polizisten in den Händen im Ortsteil Wiedersdorf Gebäude. Es gehe hier um "die innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland betreffende Gewaltdelikte".

"Sollten sich die bisherigen Informationen bestätigen, dann galt der Angriff der jüdischen Synagoge", sagte Kramp-Karrenbauer dem "Tagesspiegel".

Zugleich erhob er schwere Vorwürfe gegen die Polizei. "Diese Schutzmaßnahmen werden bis auf weiteres aufrecht erhalten - insbesondere auch mit Blick auf die noch anstehenden jüdischen Feiertage", sagte ein Sprecher der Innenverwaltung am Donnerstag. Ermittelt wird unter anderem wegen Mordes und Mordversuchs.

Gegen Nachmittag wurden bekannt, dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernimmt, was auf Terrorverdacht hindeutet.

Die Bundesregierung zeigte sich bestürzt über die Vorfälle. Die Solidarität gelte allen Jüdinnen und Juden am Feiertag Jom Kippur, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. Es soll mindestens zwei Tote geben. Tausende sahen zu. In einschlägigen Netzwerken erhielt er jedoch mehr Spott als Bewunderung für seine grausame Tat. Es handele sich um einen "abscheulichen Angriff auf unser friedliches Zusammenleben". Er will auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Zentralrats-Präsidenten Schuster und Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) über neue Erkenntnisse informieren.

Bundesaußenminister Heiko Maas: "Dass am Versöhnungsfest #YomKippur auf eine Synagoge geschossen wird, trifft uns ins Herz". Die Hintergründe der tödlichen Schüsse sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums noch unklar. Seinen Aufenthalt dort brach er ab. "Wo Juden angegriffen werden, werden Menschen jeden Glaubens angegriffen", betonte die frühere hannoversche Landesbischöfin und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

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