Anschlag in Halle/Saale: Jüdische Gemeinde beklagt fehlenden Polizeischutz

Augenzeugen-Video zeigt Schützen von Halle

Dann erschießt er zwei Menschen vor der Synagoge und in einem Döner-Laden. Er habe Schussverletzungen am Hals.

Max Privorotzki, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle, sagte dem Magazin, die Sicherungsvorkehrungen am Eingang hätten "dem Angriff standgehalten". Für 15 Uhr ist in Halle eine Pressekonferenz auch mit Bundesinnenmister Horst Seehofer (CSU) geplant.

Die Schüsse fielen gegen zwölf Uhr im Paulusviertel, nahe der Synagoge. An den Tagen um den jüdischen Feiertag Jom. Der Rechtsextremist hatte zuvor vergeblich versucht, in die Synagoge der örtlichen Jüdischen Gemeinde einzudringen, die das ursprüngliche Ziel des Angriffs war. Der Mann sei in einem Imbiss erschossen worden, die Frau in der Humboldtstraße in der Nähe eines Friedhofs.

Nach dem Angriff in Halle (Saale) sind Einzelheiten über den festgenommenen Verdächtigen bekannt. Zuvor hatte er versucht, ein Auto zu erbeuten und hatte dabei zwei Personen verletzt.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hatte Stephan B. eine Verletzung am Hals, als er festgenommen wurde. Der Mann wurde in einem Imbiss erschossen.

Warnungen der Polizei, nicht auf die Straße zu gehen, sind wieder aufgehoben.

Zwar wurden nach den tödlichen Schüssen nahe der Synagoge in mehreren Bundesländern die Sicherheitsvorkehrungen vor jüdischen Gotteshäusern verstärkt - etwa in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

Innenminister Seehofer hatte schon am Mittwochabend gesagt, der Generalbundesanwalt, der die Ermittlungen rasch an sich gezogen hatte, habe "ausreichend Anhaltspunkte für einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund". Sie ermittele wegen Mordes von besonderer Bedeutung. Er soll das fast 36-minütige Video mit einer Helmkamera aufgenommen und ins Internet gestellt haben. Auf Ausschnitten des Videos ist zudem zu erkennen, dass der Täter schwer bewaffnet war und Sprengsätze mit sich führte. "Bei uns gibt es nie Polizeikontrollen", sagte. Der Bahnhof wurde gesperrt, Fernzüge wurden umgeleitet. Anschließend hätten rund 2200 Menschen das aufgezeichnete Video angeschaut, bevor es gelöscht worden sei, erklärte Twitch. Zunächst war die Polizei davon ausgegangen, dass mehrere bewaffnete Täter mit einem Auto auf der Flucht seien. Am Abend hob die Polizei die akute Gefährdungslage auf. Die Bundespolizei fahndete deutschlandweit auf den Verkehrswegen.

In vielen Großstädten wurde die Sicherheit von Synagogen erhöht.

Im benachbarten Leipzig und zahlreichen anderen Städten verschärfte die Polizei ihre Kräfte vor der Synagoge.

Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erhebt nach dem Anschlag schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Der Feiertag beginnt mit einem gemeinsamen Gebet in der Synagoge.

Die Bundesregierung zeigte sich bestürzt über die Vorfälle. Mein ausdrücklicher Dank gilt der Bayerischen und speziell auch der Münchner Polizei: Sie leistet Tag für Tag das, was in Halle fehlte: einen umfassenden, zuverlässigen und wirksamen Schutz an den jüdischen Einrichtungen. Dass es zwei Tote gebe, sei "entsetzlich". Es handele sich um einen "abscheulichen Angriff auf unser friedliches Zusammenleben". Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) fragte: "Wann hört das auf?"

Namentlich nannte Herrmann in diesem Zusammenhang den Thüringer AfD-Spitzenpolitiker, Björn Höcke: "Höcke ist einer der geistigen Brandstifter, wenn es darum geht, wieder mehr Antisemitismus in unserem Land zu verbreiten". Seinen Aufenthalt dort brach er ab. Sie sprach mit Rabbinerin Gesa Ederberg und der jüdischen Kantorin Avitall Gerstetter. Während die Polizei Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen verstärkte, legten Menschen in Städten und Gemeinden Blumen vor jüdischen Gotteshäusern nieder und zündeten Trauerkerzen an. Die Bundesanwaltschaft sieht die Tat rechtsextremistisch und antisemitisch motiviert - auch das Bekennervideo sei eindeutig antisemitisch und rechtsextremistisch.

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