Schwedische Akademie: Literatur-Nobelpreise für Tokarczuk und Handke

Peter Handke Anfang der 1980er-Jahre Der österreichische Autor gilt als umstritten und wurde nun dennoch mit dem wichtigsten Literaturpreis ausgezeichnet

Nur viermal seit der ersten Vergabe 1901 bekamen ihn zwei Literaten gemeinsam, zuletzt im Jahr 1974.

Kulturreferent Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) gratulierte Peter Handke. Preisträger für 2019 ist der österreichische Dramatiker Peter Handke. Sie erhält den rückwirkenden Literaturnobelpreis für 2018.

Peter Handke würdigte die Akademie für seine einflussreiche Arbeit, die mit linguistischem Einfallsreichtum die Randgebiete und Besonderheiten der menschlichen Erfahrung erforscht habe.

Beide Preise sind diesmal mit jeweils neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert. Handke stand auf der Seite Serbiens, verurteilte die Nato für ihre Luftschläge und hielt 2006 bei der Beerdigung des jugoslawischen Ex-Diktators Slobodan Milosevic eine Rede. Zuletzt war der Literaturnobelpreis 2017 dem in Japan geborenen Briten Kazuo Ishiguro zugesprochen worden.

Der Skandal um das mittlerweile ausgetretene Akademie-Mitglied Katarina Frostenson und deren Ehemann Jean-Claude Arnault hatte die Institution in eine tiefe Krise gestürzt, wegen der 2018 letztlich auf eine Nobelpreisvergabe verzichtet wurde.

Die weitere Begründung der Schwedischen Akademie für die Zuerkennung des Preises lautete: "Die besondere Kunst von Handke ist die außergewöhnliche Aufmerksamkeit zu Landschaften und der materiellen Präsenz der Welt, die Kino und Malerei zu zwei seiner größten Quellen der Inspiration werden ließen", Handke habe sich als einer der einflussreichsten Autoren Europas nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert, nachdem er bereits mit seinem ersten Roman "Die Hornissen" 1966 sowie mit dem Stück "Publikumsbeschimpfung" aus 1969 "der Literaturszene seinen Stempel aufgedrückt hat". Die einen sahen es als furiose Selbstinszenierung, andere als Beginn einer kometenhaften Karriere.

Mit seinen Theaterwerken - etwa mit "Kaspar", "Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land" oder "Untertagblues" - blieb Handke präsent. Weggefährte Claus Peymann inszenierte 2016 am Wiener Burgtheater Handkes "Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße". 2012 nahm er im Buch "Versuch über den Stillen Ort" die Toilette zum Gegenstand philosophischer Betrachtungen. Handke, der zweimal verheiratet und einige Jahre mit der deutschen Schauspielerin Katja Flint liiert war, lebt seit vielen Jahren bei Paris.

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