Wahlen in Kanada - Trudeaus Liberale erneut stärkste Kraft

Justin Trudeau könnte heute abgewählt werden

In Kanada bleiben die regierenden Liberalen stärkste politische Kraft, wie mehrere TV-Sender prognostizieren. Minderheitsregierungen sind in Kanada nicht Ungewöhnliches, haben in der Regel aber eine kürzere Halbwertszeit als Kabinette, die sich auf eine absolute Mehrheit stützen. Das Ergebnis bedeutet, dass die Liberalen zum Regieren die Duldung durch kleinere Parteien brauchen, beispielsweise den Sozialdemokraten oder den Grünen.

Prognosen sahen die Liberalen bei rund 157 der 338 Abgeordnetenmandate und die Konservativen bei 121 Mandaten. "Unser Team wird für alle Kanadier kämpfen", sagte Trudeau am frühen Dienstagmorgen in Montreal.

US-Präsident Donald Trump gratulierte Trudeau zum Ausgang der Wahl. Mit dem "hart erkämpften Sieg" sei Kanada gut bedient. "Ich freue mich darauf, mit Ihnen an der Verbesserung unserer beiden Länder zu arbeiten", schrieb Trump am Dienstagmorgen auf Twitter.

An seine Kritiker gewandt meinte der 47-Jährige, er habe ihre Enttäuschung vernommen und werde sicherstellen, dass ihre Stimme gehört werde: "Wir werden zusammen vorwärts gehen in eine bessere Zukunft". Die liberale Regierung werde fortsetzen, was sie in den vergangenen vier Jahren begonnen habe. Mit voraussichtlich 156 errungenen Sitzen blieb die Regierungspartei des 47-Jährigen bei der Parlamentswahl deutlich unter ihren 184 Mandaten von 2015 - für eine absolute Mehrheit wären 170 Sitze nötig gewesen.

Sollte die Auszählung den Trend bestätigen, hätte Oppositionsführer Andrew Scheer von den Konservativen seine erklärtes Ziel nicht erreicht, Trudeau nach nur eine Wahlperiode aus dem Amt zu drängen. Sie haben aber Prognosen zufolge ihre absolute Mehrheit verloren.

Rund 27 Millionen Bürger waren in dem G7-Land, das als das flächenmäßig zweitgrößte der Welt gilt, dazu aufgerufen, neue Abgeordnete zu wählen. Die Repräsentanten werden per Direktwahl nach dem Mehrheitsprinzip gewählt.

Trudeaus Liberale sind bei der Parlamentswahl erneut stärkste Kraft geworden.

Justin Trudeau in Begleitung seiner Familie bei der Stimmabgabe in Québec.

Die Bilanz der liberalen Regierung nach vier Jahren ist durchwachsen. Zwar hat er wie versprochen Marihuana legalisiert und mehr als 25 000 syrische Flüchtlinge im Land aufgenommen. An einer Wahlrechtsreform oder einem ausgeglichenen Budget bis 2019 scheiterte er aber.

In den vergangenen Monaten hatte Trudeau zudem mit Skandalen für Aufsehen gesorgt. Im September dann tauchte ein 20 Jahre altes Bild auf, das ihn mit dunkel geschminktem Gesicht - verkleidet als Aladdin - auf einer Party zeigte. Der Ministerpräsident entschuldigte sich für sein "rassistisches" Verhalten.

Scheer beschuldigte Trudeau auch deshalb, das kanadische Volk über sein wahres Wesen zu täuschen und beschimpfte ihn als "Betrüger".

Auch der Klimawandel spielte im Wahlkampf eine große Rolle: Während die Konservativen die von den Liberalen eingeführte CO2-Steuer zurückdrehen wollen, geht die Politik der Trudeau-Regierung vielen anderen nicht weit genug.

Related:

Comments

Latest news

Japan: Kaiser Naruhito verkündet Inthronisierung
Niemand, selbst der Kaiser nicht, darf dabei einen Blick auf die Throninsignien werfen, die sich in Schutzhüllen befinden. Frieden war für Akihito von zentraler Bedeutung - das betonte er, ein Zeitzeuge des Zweiten Weltkriegs, bei jeder Rede.

Kein G7-Gipfel in Trump-Hotel
Die Demokraten im Repräsentantenhaus führen Untersuchungen, die zu einem Amtsenthebungsverfahren gegen Trump führen könnten. Ein Finanzbericht zeigte, dass der Umsatz des Klubs kaum gewachsen ist - um eine Million Dollar auf 76 Millionen Dollar.

Rente: Deutsche Bundesbank will das Rentenalter anheben
Nach Bundesbank-Berechnung würde der Geburtsjahrgang 2001 ab Mai 2070 mit 69 Jahren und vier Monaten regulär in Rente gehen. Schließlich werde es auch künftig nicht in jedem Fall möglich sein, bis zum gesetzlichen Rentenalter zu arbeiten.

Matthias Reim: Fiese Attacke gegen Dieter Bohlen!
Doch damit nicht genug! Nicht der einzige Seitenhieb gegen Dieter, den sich Matthias im Laufe des Interviews erlaubt. Sänger Matthias Reim (61, "Verdammt, ich lieb dich") hat nach eigenen Worten keine Probleme mit Falten und Furchen.

Glücksspiele machen süchtig, oder?
Es ist oft der Fall, dass die Gewalterfahrungen oder der Verlust von Verwandten diese Krankheit hervorrufen können. Unter anderen Ursachen, die Spielsucht erzeugen, sind auch unsere Erlebnisse und Emotionen zu unterstreichen.

Other news