Trump greift frühere Ukraine-Botschafterin während Anhörung an — Twitter-Wuttirade

Trump in Kentucky

Während ihrer Anhörung grätschte der US-Präsident dazwischen und schrieb in einem Tweet, überall, wo Yovanovitch hingegangen sei, habe sich die Lage verschlechtert. Yovanovitch wurde bei der Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss auf den Tweet angesprochen. "Es ist einschüchternd", sagte sie. Zuvor hatte Yovanovitch unter Eid ausgesagt, sie habe sich von Aussagen Trumps bedroht gefühlt. "Wir nehmen die Einschüchterung von Zeugen sehr ernst", sagte Schiff mit todernster Miene. Das Ganze sei ein "Witz". Selenskyj pries Trump als großes Vorbild für ihn und für die "neuen Manager" in der Ukraine. "Sie sind diesem Ziel ein wenig näher gekommen, vor allem, weil die bisherigen Zeugen so solide sind", sagte Politik-Experte Jonathan Cristol zu BILD: "Auch Trumps ungestüme Reaktionen könnten noch zweifelnde Amerikaner überzeugen". "Es war schlicht die Meinung des Präsidenten, zu der er berechtigt ist".

Der in der Ukraine-Affäre massiv unter Druck stehende US-Präsident hat mit einer Twitter-Attacke während der öffentlichen Befragung einer wichtigen Zeugin für Wirbel gesorgt. Der Republikaner Devin Nunes sprach dagegen von "Watergate-Fantasien" der Demokraten.

Yovanovitch stellte sich bei der Anhörung am Freitag als Opfer einer "Rufmordkampagne" infolge ihres Engagements gegen Korruption in der Ukraine dar. Dazu wollte Trump Ermittlungen in der Ukraine. "Ich verstehe Herrn Giulianis Beweggründe nicht, mich anzugreifen".

Yovanovitch sagte, sie habe am Abend des 24. April während eines Empfangs in der Botschaft einen Anruf des US-Außenministeriums erhalten. Und sie glänzten dort, wo Trump stets verblasst: bei der Wahrheit nämlich. "Es war furchtbar, das zu hören. Es wurde kein echter Grund genannt, warum ich gehen musste". Yovanovitch sagte: "Das klang wie eine Bedrohung". Über die abberufene Botschafterin sagte Trump damals: "Sie wird ein paar Sachen durchmachen". Schrecklich sei das gewesen, sagte Yovanovitch. "Absolut schockiert und am Boden zerstört".

Die US-Demokraten im Repräsentantenhaus führen Untersuchungen, die zu einem Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) gegen Trump führen könnten. Sie werfen dem republikanischen Präsidenten vor, seine Macht missbraucht zu haben, um die ukrainische Regierung dafür zu gewinnen, sich zu seinen Gunsten in den US-Wahlkampf einzumischen. Als Druckmittel diente US-Militärhilfe an die Ukraine in der Höhe von fast 400 Millionen Dollar. An Yovanovitch, glauben die Demokraten, zeigt sich exemplarisch, wie Trump versuchte, den diplomatischen Apparat der USA zu unterlaufen, um eine alternative Aussenpolitik zu betreiben.

Der amerikanische Chefdiplomat in der Ukraine, William Taylor, hat ausgesagt, dass Trump Bedingungen von Selenskyj für US-Militärhilfen gefordert hat. Vor dem Repräsentantenhaus schildert die frühere US-Botschafterin in Kiew, was ihr geschah, als sie nichts gegen Trumps Konkurrenten Biden unternehmen wollte. Pelosi betonte aber zugleich, dass über die Eröffnung eines Amtsenthebungsverfahrens noch nicht entschieden sei. Anders als in dem Telefonat am 25. Juli ermuntert Trump Selenskyj in dem Gespräch im April nicht zu Ermittlungen, die Biden schaden könnten. Trump wies das zurück und pochte auf seine Redefreiheit. Trump regte in dem Gespräch Ermittlungen gegen Bidens Sohn Hunter Biden an. Joe Biden hat gute Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bei der Wahl nächstes Jahr.

Mit Yovanovitchs Aussage setzten die Demokraten im Repräsentantenhaus ihre öffentlichen Anhörungen für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) gegen Trump fort.

Trump hatte die Veröffentlichung des zweiten Protokolls schon am Wochenende angekündigt und von einem "sehr wichtigen" Schritt gesprochen. Hintergrund sind die Ermittlungen von Sonderermittler Robert Mueller dazu, ob es im Präsidentschaftswahlkampf 2016 Absprachen des Trump-Lagers mit Vertretern Russlands gab.

Kurzum: Ein kurzes, für die Maßstäbe der Trump-Präsidentschaft nicht weiter bemerkenswertes Geplänkel zweier Politiker, die sich noch nicht kennengelernt hatten. Er stand auch danach weiter in engem Kontakt mit ihm, als eine Art informeller Berater.

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