Milliarden-Übernahme: ams-Angebot für Osram war erfolgreich

Zwei Ampeln leuchten rot vor der Osram Zentrale in München

Im zweiten Anlauf ist dem österreichischen Elektronikunternehmen AMS die erhoffte Übernahme von Osram geglückt. Osram gab bekannt, der Konzern habe die Führungsspitze von AMS zu "Zukunftsgesprächen" eingeladen.

Auf der Handelsplattform Tradegate legte die Osram-Aktie am Freitag Abend nachbörslich um 11 Prozent auf 42,50 Euro zu.

AMS hatte 41 Euro pro Osram-Anteilsschein geboten. Mehrere kartellrechtliche Genehmigungen stehen für den Erfolg der geplanten Übernahme noch aus.

Ein Erfolg der Österreicher war bis zum Schluss unsicher gewesen, nachdem zuletzt Hedgefonds und andere Spekulanten im großen Stil Osram-Aktien an der Börse aufgekauft hatten. Osram-Aktionäre haben in einer weiteren Annahmefrist noch bis zum 24. Dezember Zeit, ihre Anteilsscheine anzudienen. Den Mitarbeitern Osrams hatte AMS bereits umfassende Zusagen gemacht. Aus Finanzkreisen war zuletzt von einem Anteil von 40 Prozent zu hören, der von Hedgefonds gehalten wurde.

Everke hat sehr ehrgeizige Pläne: Der AMS-Chef will einen europäischen Weltchampion in der Optoelektronik schmieden. Osram-Chef Olaf Berlien ließ sich live zuschalten. Hinzu kamen ein Brief an die Anteilseigner und zahlreiche Werbeanzeigen für die Übernahme, denn auch Kleinaktionäre halten bei Osram einen relevanten Anteil. "Es war sicherlich kein einfacher Weg, aber schlussendlich konnten wir die notwendige Mehrheit der Osram-Aktionäre von unserem Angebot und der strategischen Logik überzeugen". Dabei blieb es, doch senkte Everke die für den Erfolg des Angebots nötige Schwelle auf 55 von 62,5 Prozent. Osram stellt LED-Beleuchtung her, AMS optische Sensoren, in Teilen für identische Kundengruppen, darunter Handyhersteller. "Nun gilt es, gemeinsam mit AMS einen Photonik- und Sensorik-Champion von Weltrang auf den Weg zu bringen", erklärte Osram-Chef Berlien.

AMS hat die Übernahme bisher mit Krediten finanziert. Ein genaues Ergebnis wird den Angaben zufolge erst am Dienstag vorliegen. AMS hatte damit aber zwei Finanzinvestoren, die monatelang die Bücher von Osram geprüft hatten, aus dem Feld geschlagen. Eine Hauptursache sind die nachlassenden Produktions- und Verkaufszahlen von Autoindustrie und Smartphoneherstellern, den zwei wichtigsten Kundengruppe für Osram.

"Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, die Mindestannahmeschwelle unseres Angebots für Osram zu erreichen", so Alexander Everke, CEO von ams in einer Aussendung. Grund ist die Finanzierung: AMS ist erheblich kleiner als Osram, und um das Münchner Unternehmen übernehmen zu können, will AMS ungeachtet einer jetzt schon hohen langfristigen Verschuldung in Milliardenhöhe weitere Kredite in Höhe von knapp 3,9 Milliarden Euro aufnehmen. Mit dem Abschluss der Transaktion rechnet ams weiterhin im Laufe des ersten Halbjahrs 2020. ams beabsichtigt, die ams-Aktionäre zu einer außerordentlichen Hauptversammlung im Januar 2020 einzuladen, um die geplante Kapitalerhöhung im Zusammenhang mit dem Angebot zu beschließen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat das Unternehmen einen dreistelligen Millionenverlust eingefahren. Zudem wurde AMS von Finanzhäusern eine Brückenfinanzierung von 4,4 Milliarden Euro zugesagt.

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